Lobbyismus - die Macht der Einflüsterer

 

"...deshalb verstehen wir uns - die ausführenden Verbände - nicht als Lobbyisten, sondern wir verstehen uns als diejenigen, die das Gesundheitswesen dann im Detail organisieren, damit`s überhaupt funktioniert!"

 

Lieber Herr Baum, das nennt man Lobbyismus! Lobbyisten organisieren im Detail und zwar in allen Bereichen. Das was sie da machen, ist Wortklauberei, sonst nichts. 

 

Die Riester-Rente. Ganz tolle Sache. Früher hat man sein Leben versichert, heute versichert man sich das Alter, weil wir ja keine jungen Menschen haben, die den Rententopf füllen. Das nennt sich "demografischer Wandel". Kein Wunder, bei so viel jungen Arbeitslosen. Das Wettrennen um die (noch) gutbezahlten Jobs beginnt schon im Grundschulalter. Die Eltern tun alles daran, dass ihre Sprösslinge eine gute Schulbildung erhalten. Dann beginnt die Selektion. Nur wer sich fügt und genau den Weg geht, der von den Großkonzernen vorgegeben ist, der wird einen dieser raren Jobs bekommen. Je mehr man sich anpasst, desto größer sind die Chancen in den freien Arbeitsmarkt zu gelangen. Dann arbeitet man, mal hier und mal da, und wenn es gut läuft (was aber heutzutage sehr unrealistisch ist), hat man dann 45 Jahre im Schnitt gearbeitet. In dieser Zeit zahlt man neben der gesetzlichen Rente, auch noch in die private Altersvorsorge (das gehört zu der Anpassung dazu). In diesen 45 Jahren wird das Rentenalter dann noch mindestens zweimal angepasst und so muss man dann nochmal 2-5 Jahre mehr dranhängen. Wenn man dann mit 65 Jahren in "Frührente" geht, weil man es körperlich einfach nicht mehr schafft, dann muss man hier schon finanziell einbüßen. "Mensch, hätt`ste mal nur die 5 Jahre noch drangehängt!" Ging aber nicht, weil das Verlangen, sich endlich mal in Ruhe um seine Krankheiten zu kümmern, meist größer ist, als die paar Euro, die man mehr verdient, wenn man bleibt. So und dann werden die Rentner und Frührentner krank gehalten, am besten man verkürzt ihr Leben noch, indem man ihnen Heilmittel verweigert, die günstig sind und gesund machen.

 

Ein sehr gut durchdachtes System. Von der Wiege bis zum Sarg genauestens vorprogrammiert. Und wehe du hältst dich nicht daran, dann zeigt dir das System wo`s lang geht: Zur Verarmung!

 

"Ja, man muss es erklären, durchaus, äh, aber wir verstehen unsere Arbeit als Teil eines demokratischen Prozesses - das hat es schon im alten Rom gegeben - äh, das gibt es in jeder funktionierenden(?) Demokratie, dass man mit Abgeordneten spricht, dass man seine Expertise einbringt, dass man Meinungen in Fakten auch berücksichtigt sehen möchte!"

 

Uff, langer Satz! Na, den Satz muss mir Herr Hofmann, vom Bundesverband der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, auch erstmal erklären. Das hat er schön auswendig gelernt. Das mit der Demokratie im alten Rom hat er treffend gesagt, so komm ich mir auch vor: Wie im alten Rom! Mit diesem Wirrwarr an Schachtelsätzen (Tschuldigung, ist ja nur ein Satz), komm ich einfach nicht zurecht.

 

"Na, unter Druck wird man nicht gesetzt, ...(?) man wird eher motiviert, äh, äh, durch, äh, Angebote, die man natürlich nicht annimmt (*grins*); das war so ein Fall, da wurde ich zu einem sehr bedeutenden Fussballspiel eingeladen (*lach*) und hab natürlich klipp und klar gesagt, dass das inakzeptabel ist und dass damit das Gespräch für mich beendet ist!"

Markus Ferber, Europaabgeordneter CSU

 

Dumm gelaufen für den Lobbyisten, der Ferber wird einfach kein Fussball-Fan sein oder hatte an dem Tag was besseres zu tun. Wäre er doch nur mal mit einem Malediven-Urlaub gekommen oder einer neuen Kaffeetasse. Lieber Lobbyist, bitte vorher erstmal gut informieren, wie die Vorlieben des EU-Abgeordneten sind. Genau ins Schwarze, mit den Bedürfnissen der Abgeordneten, zu treffen, das macht einen guten Lobbyisten aus.

 

Da geht es den Journalisten besser, als den Abgeordneten:

 

Gefallen an Gefälligkeiten – wie Journalisten umgarnt werden


Luxuriöse Pressereisen, Testautos oder Kooperationen mit Verlagen – die Liste mit Gefälligkeiten, mit denen Unternehmen und Wirtschaftsverbände Journalisten umgarnen, ist lang. Dies birgt Gefahren für Interessenkonflikte, die zu einseitiger Berichterstattung führen können. Eine neue Studie, die das Netzwerk Rercherche in Kooperation mit  Transparency Deutschland, der Otto-Brenner-Stiftung und der TU Dortmund herausgegeben hat, beleuchtet das Zusammenspiel von Journalismus und Unternehmen. Das Ergebnis: Die Grenze zwischen PR und Journalismus wird immer unklarer. Dies gefährdet eine unabhängige Berichterstattung.

 

Beispiel Autolobby

 

“Als Automobil-Journalist [müsse man] bescheuert sein, sich ein Auto zu kaufen” – so zitiert die Studie den Anwalt von Franz Danner, den ehemaligen PR-Manager von Mazda. Der Fall Mazda gibt einen Einblick in die Lobbyarbeit eines Autokonzerns mit der Zielgruppe Journalisten. Im Auto-Journalismus sei es üblich, immer wieder neue Testwagen zu bestellen. Danner habe die Fahrzeuge teilweise bis zum nächsten Modellwechsel an Journalisten als Testwagen vergeben. Präsentationen von neuen Modellen seien häufig allein die “Fassade für luxuriöse Reisen an reizvolle Orte” gewesen. So habe er beispielsweise Testfahrten in Wien organisiert. Die teilnehmenden Journalisten bekamen gleich die Karten für den Besuch des Wiener Opernballs und einen maßgeschneidertem Frack mit dazu.

 

Luxuspressereisen als Teil von Krisen-PR

 

Mazda ist kein Einzelfall: So organisierte beispielsweise Volkswagen eine Reise zu den Olympischen Spielen in Peking – samt Flug erster Klasse und Übernachtung im Luxus-Hotel. Recherchen des Magazins Stern legen nahe, dass der Olympia-Sponsor Volkswagen das Ziel hatte, einen PR-GAU wegen der Proteste in Tibet abzuwenden. Auch andere Unternehmen verwenden diese Form der Krisen-PR: Laut Studie bezahlte etwa auch Thyssen Krupp Journalisten eine Luxusreise nach Südafrika, nachdem der Konzern mit Negativschlagzeilen zu kämpfen hatte.

 

Fragwürdige Kooperationen

 

Am Beispiel der WAZ-Women Group (Neue Welt, Echo der Frau, die aktuelle) zeigt die Studie fragwürdige Kooperationen zwischen Unternehmen und Verlagen auf. So seien in den Produkten der WAZ-Gruppe zahlreiche konkrete Empfehlungen für bestimmte Markenprodukte aufgetaucht. Beispielsweise seien rezeptfreie Medikamente in der Gesundheitsrubrik erwähnt, die an anderer Stelle des Hefts per Anzeige direkt beworben werden. Für Unternehmen sind Empfehlungen in den auflagestarken Blättern lukrativ. Die Verlage wiederum profitieren vom Anzeigengeschäft. Laut Studie nehmen Anzeigenabteilungen auch in anderen Medien immer wieder Einfluss auf die Redaktionen.

 

Quelle und weiterlesen: lobbycontrol.de

 

 

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