ALPHABET - Der neue Film Erwin Wagenhofer

Ich denke mal, dieser Film wird die Nation spalten, wie kaum ein anderer. Wo es bei seinen ersten Dokumentationen WE FEED THE WORLD und LET´S MAKE MONEY noch mehr oder weniger uns selbst betraf, geht es in dieser Dokumentation um unsere Kinder. Und wir wissen ja, sehr viele Eltern wollen nur das Beste für ihren Nachwuchs, nämlich das sie später einen gut bezahlten Job bekommen - und dafür müssen sich unsere Kids den Allerwertesten aufreißen. Nur wer "weisungsfähig" ist, hat in den klassischen Berufen eine Chance. Also, Kinder, ran an den Speck: Lasst Euch schön brav zu manipulationsfähigen Wirtschaftssoldaten heranzüchten, dann klappt`s auch weiterhin mit dem Kapitalismus. Am besten Ihr stopft Euch noch ordentlich Fluor rein, damit der Zugang (Zirbeldrüse) zum Selbstdenken verkalkt und Ihr Euch somit besser anpassen könnt. Selbstdenken kann nämlich durchaus anstrengend sein, man muss ständig bei sich sein und kann die Verantwortung nicht abschieben. Wie sagte Konfuzius schon: Nachdenken ist der edelste Weg um klug zu handeln - und Nachahmen der leichteste.

 

Es gibt eine Förderschule, da steht der Umgang mit Hartz IV auf dem Stundenplan!!! Da werden die Kinder schon genau in die für sie bestimmte Richtung gelenkt. Ich halte das für fatal, auch wenn der Lehrer von seinen Motiven überzeugt ist. Klassifizierung, Anpassung, Ver-/Beurteilung, das sind typische Verhaltensmuster im Bildungswesen. Ich frage mich, wo das noch hinführt.

Und nun zur Filmvorstellung:

 

98% aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2%.

 

Worum geht es?

 

Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem wird durch krisenhafte Entwicklungen zunehmend in Frage gestellt und eine Antwort ist nicht in Sicht. Die politischen und wirtschaftlich Mächtigen wurden zum Großteil an den besten Schulen und Universitäten ausgebildet. Ihre Ratlosigkeit ist deutlich zu spüren und an die Stelle einer langfristigen Perspektive ist kurzatmiger Aktionismus getreten.

 

Mit erschreckender Deutlichkeit wird nun sichtbar, dass uns die Grenzen unseres Denkens von Kindheit an zu eng gesteckt wurden. Egal, welche Schule wir besucht haben, bewegen wir uns in Denkmustern, die aus der Frühzeit der Industrialisierung stammen, als es darum ging, die Menschen zu gut funktionierenden Rädchen einer arbeitsteiligen Produktionsgesellschaft auszubilden. Die Lehrinhalte haben sich seither stark verändert und die Schule ist auch kein Ort des autoritären Drills mehr. Doch die Fixierung auf normierte Standards beherrscht den Unterricht mehr denn je.

 

Denn neuerdings weht an den Schulen ein rauer Wind. „Leistung“ als Fetisch der Wettbewerbsgesellschaft ist weltweit zum unerbittlichen Maß aller Dinge geworden. Doch die einseitige Ausrichtung auf technokratische Lernziele und auf die fehlerfreie Wiedergabe isolierter Wissensinhalte lässt genau jene spielerische Kreativität verkümmern, die uns helfen könnte, ohne Angst vor dem Scheitern nach neuen Lösungen zu suchen.

 

Erwin Wagenhofer begreift das Thema „Bildung“ sehr viel umfassender und radikaler, als dies üblicherweise geschieht. Fast alle Bildungsdiskussionen sind darauf verkürzt, in einem von Konkurrenzdenken geprägten Umfeld jene Schulform zu propagieren, in der die Schüler die beste Performance erbringen. Wagenhofer hingegen begibt sich auf die Suche nach den Denkstrukturen, die dahinter stecken. Was wir lernen, prägt unseren Wissensvorrat, aber wie wir lernen, prägt unser Denken.

 

Nach WE FEED THE WORLD und LETS MAKE MONEY ist ALPHABET der abschließende Teil einer Trilogie, der die Themen der beiden vorherigen Filme nochmals aufgreift und wie in einem Brennglas bündelt.

 

ALPHABET ist Erwin Wagenhofers bisher radikalster Film.

 

Filmstart leider erst am 31.10.2013 in den Kinos.

 

Alphabet, der Film: Die Protagonisten / Quelle: alphabet-film

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Kommentare: 5
  • #1

    Mick (Sonntag, 01 September 2013 17:39)

    Schaue mich mir bestimmt an. Ich denke auch, dass in Zukunft wieder mehr Privatschulen wie PIlze aus dem Boden schießen. Nur dann sind leider leider wieder die benachteiligt, die sich das nicht leisten können. Aber so haben wenigstens einige Kinder noch eine Chance, eine anständige Schulbildung zu erhalten. Bei dem Rahmengrundschulprogramm, wie das zur Zeit vorherrscht, werden

    ALLE

    benachteiligt.

  • #2

    maras-welt (Montag, 02 September 2013 09:21)


    Naja, leider müssen auch die Kinder in den Privatschulen die Lerninhalte pauken, da du für ein ordentliches Abi das Wissen benötigst, welches von denen gefordert wird. Und mir wird schlecht, wenn man meinem Kind erzählt, dass wir vom Affen abstammen *kotz*

    Aber was kann man von einem (Schein-)Staat erwarten, der Kinder mit dem SEK abholen lässt, nur um das Schulpflichtgesetz durchzusetzen:
    http://wirsindeins.org/2013/09/01/kinder-weggenommen-in-schockierendem-sondereinsatz/

  • #3

    Mick (Montag, 02 September 2013 15:41)

    Ja, aber bis zum Abi ist es ja noch ein Weilchen hin, wenn man Grundschulkinder hat. In der Grundschule sind die ersten vier Jahre die wichtigsten und da müssen die Kinder anständig unterrichtet werden, damit die überhaupt Spaß am lernen kriegen. Man muss auch erst mal lernen zu lernen. Genau das wird zur Zeit leider verbockt.

    Unser jüngster Sohn lernt in seiner Schule jetzt Lesen nach dem Silbenbogenprinzip. Ich bin ganz begeistert wie systematisch das Arbeitsbuch aufgebaut ist.. Ab Herbst kriegen die I-Dötzchen dann regelmäßgie Leseaufgaben und dann klappt das auch im ersten Jahr.

    Während die üblichen Grundschulen Flex und Flo Bücher benutzen, die mit einer Anlauttabelle arbeiten. Was aber jetzt endlich auch öffentlich von Experten kritisiert wurde.

  • #4

    maras-welt (Montag, 02 September 2013 16:34)


    Obwohl die vier Jahre wie im Flug vergehen können, aber sicher hast Du Recht, denn in den vier Jahren ändert sich hoffentlich noch einiges :-)

    Wie mein Kleiner jetzt unterrichtet wird, weiß ich noch gar nicht, weil sie dieses Jahr erst umgestellt haben. Mir ist halt auch wichtig, dass er mit den Lehrern gut auskommt, ohne gleich rumschleimen zu müssen. Aber wir werden sehen, wie es sich entwickelt. Eines ist sicher: Ich werde meinem Kind nicht die Kindheit wegnehmen lassen.

    Schön, dass es bei Deinem Kleinen so gut klappt. Wenn die Lernmethode gut ist, dann sinkt auch der Druck.

  • #5

    Mick (Dienstag, 03 September 2013 16:09)

    Mensch, ich wollte jetzt auch nicht zu schwarzmalerisch sein. Ich wünschen dir und deinem Kleinen alles Gute zum Schulstart. Schließlich sthet und fällt doch auch alles mit der Klassenlehrerin und dass man einen Freund in der Klasse hat.