Das große Geschäft mit der Angst vor dem Krebs

Bildquelle: Wolfgang Pfensig (pixelio.de)
Bildquelle: Wolfgang Pfensig (pixelio.de)

Eine Frau, mittleren Alters, Mutter zweier Kinder, einigermaßen glücklich verheiratet, geht eines morgens zum Arzt. Als sie fünfundvierzig Minuten später auf die Straße tritt, hat sich ihr ganzes Leben verändert. Diagnose: Brustkrebs. 

 

Sie steht alleine da und versucht daran zu denken, was sie heute Mittag zum Essen machen soll, für ihre Familie und sich. Doch immer wieder taucht dieses Schreckgespenst in ihrem Kopf auf: Ich habe Krebs! Sie versucht stark zu bleiben, es sich nicht anmerken zu lassen, alleine damit fertig zu werden, aber sie schafft es nicht. Sie hat Angst.

 

Sie geht nachhause, kocht völlig abwesend das Mittagessen und spielt ihren Kindern die heile Welt vor. Es wird geredet und gelacht. Der Alltag läuft weiter, wie immer. Alles würde gut laufen, wenn da nur nicht immer dieses Schreckgespenst auftauchen würde, welches einen daran hindert zu verdrängen. Schließlich, nach einiger Zeit lässt es sich nicht mehr abschalten, es will raus!

 

"Wann sag ich`s ihm nur? Er ist ja so selten zuhause und wenn er da ist, dann will er sich ausruhen oder er macht etwas mit den Kindern. Egal, heute abend vor dem Schlafen." Gesagt, getan. Der Mann weiß jetzt bescheid und ist total überfordert mit dieser Information. Nicht dass er ihre Gefühle nachempfinden könnte, nein, denn ab sofort sitzt bei ihm ein völlig anderes Schreckgespenst im Kopf: Existenzängste. Was wird nur aus den Kindern, wenn sie stirbt? Was wird nur aus mir? Wir wollten doch noch...

 

Tja, nun sitzen beide da und wissen nicht mehr weiter. Früher oder später bekommen die Kinder auch noch ihr Schreckgespenst ab, jeder sein ganz eigenes. Und da keiner fühlt wie der andere und jeder sein eigenes Schreckgespenst in sich trägt, kommt die Familie kaum auf einen gemeinsamen Nenner. Was aber noch schlimmer ist: Sie können sich gegenseitig nicht helfen. Denn sie sind Ahnungslose, jeder auf seinem Gebiet. Und hier kommen die Selbsthilfegruppen ins Spiel.

 

Endlich jemanden um sich haben, der einen versteht, der das Gleiche durchgemacht hat und sogar noch lebt, das gibt Hoffnung. Erfahrungs- und Emotionsaustausch, das tut gut. Ganz oft tritt eine Besserung ein, wenn man nur die Angst verliert und sich geborgen fühlt. So soll es sein, das ist der Zweck einer Selbsthilfegruppe. Doch wie sieht die Realität aus?

 

Ich stelle mir eine Selbsthilfegruppe so vor, dass sich mehrere von der gleichen Problematik Betroffene regelmäßig treffen. Vielleicht in einem Restaurant, im Hinterraum, oder bei den einzelnen Teilnehmern zuhause im Wohnzimmer. Vielleicht auch noch in einem gemeinnützigen Raum, der von einer sozialen Einrichtung gesponsert wird. So ungefähr stellen sich viele eine Selbsthilfegruppe vor und mit Sicherheit gibt es einige solcher kleinen authentischen Gruppen. Was aber geschieht, wenn ich mich auf einmal in einem schicken Konferenzraum, mit Brezeln und Getränken, auf nagelneuen Stühlen, womöglich noch in Klinikambiente, befinde? Und wenn im Vorraum dann noch allerhand Broschüren, die allesamt auf Veranstaltungen, Vorträge, Fachärzte, Medikamente und dergleichen hinweisen, liegen? Dann sollten wir uns fragen, wo wir hier gelandet sind.

 

Um beim Beispiel mit dem Brustkrebs zu bleiben, da gibt es einen ganz tollen Verein Namens "Mamazone e. V.", der den Charakter einer Selbsthilfegruppe trägt. Die Gründerin war selbst an Brustkrebs erkrankt und wurde auch wieder geheilt, nun gibt sie ihre Erfahrungen weiter. Schauen wir uns die Seite einmal genauer an und verfolgen deren Ziele:

 

mamazone hat zahlreiche Projekte und zwei Stiftungen auf den Weg gebracht. Diese wurden größtenteils  von der mamazone Gründerin und Ehrenvorsitzenden, Ursula Goldmann-Posch initiiert und realisiert.

 

Ihr Ziel:  Stärkung von Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein von Brustkrebspatientinnen und Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit für das Thema „Brustkrebs“.

 

So steht es in der Rubrik "Projekte" und davon gibt es viele. Zum einen wäre da das Projekt: Diplompatientin, mein Lieblingsprojekt. Eines Vorweg: Diplompatientin ist ein eingetragenes Markenzeichen, damit diesen Begriff auch ja keiner klaut - also: Finger weg! Aber was in Gottes Namen ist eine Diplompatientin? Was genau das ist, lässt sich hier nachlesen, von mir gibt es nur meinen Lieblingsabschnitt:

 

Ausbildungsziel ist die informierte, kompetente und mündige Patientin, die ein Stück Eigenverantwortung für ihre Behandlung übernimmt und sich zur Expertin in eigener Krankheit weiterbilden möchte.

 

Danach ist man sozusagen eine diplomierte Brustkrebspatientin, die nach Abschluss eines viertägigen wissenschaftlichen Programms, ihren Ärzten den Marsch blasen gelernt hat. Jetzt ist sie gerüstet, für den nächsten Auftritt bei ihrem behandelten Arzt. Jetzt weiß sie ganz genau, welche Medikamente und Therapien sie einfordern kann, ja sogar muss, sonst hat sie ja das Diplom nicht verdient. Was dem ganzen aber die Krone aufsetzt, ist der mamazone-Wissenschaftspreis "Busenfreund", welcher einmal im Jahr auf dieser Veranstaltung verliehen wird. Da haut es dem Fass noch nicht ganz den Boden aus, das kommt erst noch. 

 

Auch nicht schlecht ist das "La Mamma-Projekt":

 

Das „La Mamma“-Projekt ist eine Art „Brustkrebs-Akademie“ für „Brustschwestern“ (breast care nurses), die sich – über die offizielle Ausbildung hinaus – zum Wohl ihrer Patientinnen über die neuesten Erkenntnisse in der Behandlung von Brustkrebs fit machen und fit halten.

 

Brustschwestern? Mir wird ja vor lauter Brüsten schon ganz schwindelig. Erst der Busenfreund, jetzt die Brustschwester. Wenn ich hier nur an das Gesetz der Resonanz denke, dann wird mir echt schlecht. Wer von den Betroffenen soll denn so sein Schreckgespenst verlieren - wenn es permanent gefüttert wird?

 

Aber macht nichts, für die miesen Zeiten gibt es natürlich auch ein Helferlein: Das Mutmachmärchen! Ja, das Mutmachmärchen, denn Märchen helfen heilen!

 

Märchen bestehen aus vielschichtigen Ebenen und können von dem, der sie hört, auf vielfältige Weise interpretiert werden...

 

Wie wahr, wie wahr... Für acht Euro Schutzgebühr kann man dieses Märchen erwerben. So günstig kann dieses Märchen nur sein, weil mamazone dafür so viele Unterstützer hat, denen sie auf dieser Seite auch noch so offen und herzlich dankt. Firmen wie Roche, Hersteller und Vertreiber des Krebsmittels Avastin, zum Preis von ca. 1.683,06 Euro pro Infusionskonzentrat oder Pierre Fabre, der Hersteller von Navelbine, zum Supersonderpreis von 616,59 Euro für vier Weichkapseln, zudem Genomic Health, Hersteller des Brustkrebstests Oncotype-DX, 2011 gab es diesen Test für schlappe 3.180 Euro. Auch Celgene lässt sich das Geschäft mit den Verzweifelten nicht entgehen, sie stellen das Krebsmittel Revlimid her, hier liegen die Kosten bei rund 7.000 Euro, je nach Milligramm pro Hartkapsel, für 21 Kapseln! Und da ja irgendjemand alle zusammenbringen muss, darf die Agentur nicht fehlen. Unterweger nennt sich das Unternehmen, dessen Kundenstamm sich durchaus sehen lassen kann. Hungern muss der Mann nicht. Der Rest ist harmlos und weiß wahrscheinlich gar nicht, auf was er sich da eingelassen hat. Klassik Radio zum Beispiel, da bin ich schon ein wenig enttäuscht, aber gut, die denken sie tun etwas Gutes, da bin ich mir sicher.

 

Aber Mamazone verkauft nicht nur Märchen, nein, für fast alles gibt es ein Helferlein. "Das Schmuckstück gegen die Angst" oder das "Mamazone"-T-Shirt mit der Aufschrift: Busen, Tittis, Melonen, Dinger, Knospen, Bälle, Möpse, Glocken, Brüste! Wer bitte schön zieht sich so etwas an? Die Diplompatientin gibt es natürlich auch auf DVD, für die Brustkrebspatientinnen, die nicht zu einer Veranstaltung kommen können, dann kommt die Veranstaltung eben nachhause. Und für 15,95 Euro kann man sich auch noch die lila farbene "Überlebensdecke" mit roten Punkten drauf kaufen. Das Stofftier darf in solch einer Situation natürlich auch nicht fehlen (als Ersatz für wahre Freundschaften), dafür gibt es "Rosa - Die Wissensbärin", und jetzt festhalten: „ROSA – die Wissensbärin“ wurde von mamazone e.V. und der PONS-Nachsorgestiftung geboren, um Frauen mit und ohne Brustkrebs zu ermutigen, sich mit Wissen über die häufigste weibliche Krebserkrankung zu wappnen, statt die Augen vor Brustkrebs zu verschließen." Ojemine, also gilt das quasi für jede Frau. Und last but not least noch den ultimativen Kurzfilm mit vielen tollen Interviews, ebenfalls zum Superpreis von nur 29,95 Euro!

Bildquelle: br.de
Bildquelle: br.de

Auf Mamazone wird aber nicht nur die Betroffene versorgt, sondern auch die Kinder. Auf "mum-hat-brustkrebs.de" kümmert man sich auch um sie. Dort dürfen Kinder, deren Mütter an Krebs erkrankt sind, ihr Herz ausschütten. Ein paar Erfahrungsberichte sind dort zu lesen, richtig gute Geschichten, die alle irgendwie denselben Schreibstil haben. Das lässt bei mir den Verdacht aufkommen, dass diese Berichte aus ein und derselben Feder, respektive Tastatur, entstanden sind. Aber das ist nur so ein Gefühl. Über den Bücher-Link kann man jede Menge Bücher über Krebs bestellen. Auch Bücher über Frauen die es nicht geschafft haben - tolle Motivation! Und wie der Brustkrebs behandelt wird, kann das Kind auch gleich nachlesen. Und so können alle eintauchen, in die Welt des Krebses. Er ist omnipräsent, tägliches Futter für das Schreckgespenst.

 

Da frag ich mich doch, warum es nach Jahrzehnten der Krebsforschung, der Vielzahl von Vorsorgeprogrammen und Therapien immer noch soviele Krebskranke gibt? Ja, die Zahl steigt sogar rapide. Von Jahr zu Jahr werden es mehr. Und damit es auch dabei bleibt, baut man die Vorsorge noch weiter aus. Den Kindern macht man Angst, vorallem den weiblichen Nachkommen erzählt man das Märchen von den Genen und dass wenn die Oma, die Tante und die Mutter an Krebs erkrankt und vielleicht sogar daran gestorben sind, das Kind es fast unweigerlich auch bekommt. So entsteht das Schreckgespenst schon ganz früh, oft in der Pubertät, wo das Kind sowieso schon genug Probleme mit sich selbst hat. Hier kommt dann noch ein existenzielles Problem dazu - na toll! 

 

Das Wichtigste beim Krebs ist in erster Linie, den Krebs zu verstehen und nicht, wie man ihn therapieren kann. Die Ursache ist entscheidend. Das wohl am meisten verwendete Beispiel ist die Warnleuchte im Auto, die nur überklebt wird, anstatt das Problem zu lösen. Aber die großen Geschäftemacher sorgen dafür, dass genügend Klebestreifen zur Verfügung stehen.

 

Wer mehr über das Thema wissen möchte, der sollte sich die drei Reporte durchlesen. Wenn man einmal verstanden hat, was den Krebs (nachweislich) hervorruft, der kann auch damit umgehen, sollte es ihn einmal treffen. Es gibt nämlich, neben der Pharmaindustrie-Krebsforschung, auch die alternative Krebsforschung und die sind schon lange zu Ergebnissen gekommen.

 

Der Krebs-Report Teil I

 

Der Krebs-Report Teil II

 

Der Krebs-Report Teil III

 

Und wer es sich antun möchte, der kann sich dazu die vierstündige Dokumentation "Die 5 biologischen Naturgesetze" anschauen. Immerhin haben sich das schon über 2 Millionen User reingezogen, der Rest hat bestimmt nur mal reingeklickt. Die Initiatoren legen Wert darauf, nichts zu glauben, was in diesem Video wiedergegeben wird, sondern selbst darüber nachzudenken und seine eigenen Rückschlüsse zu ziehen. Für mich ist das alles so offensichtlich und logisch, das ich es nachvollziehen kann. Und so muss ich nicht vom Glauben sprechen, sondern kann behaupten zu wissen!


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