Monopolisten: Die Sklavenhalter der modernen Zeit!


"Vor allem muß darüber gewacht werden, daß die Geldschätze eines Staates nicht in wenige Hände gelangen. Andernfalls kann ein Staat ein großes Nationalvermögen besitzen und doch Not leiden.

Denn Geld gleicht dem Dünger, der nur nützt, wenn er ausgebreitet wird. Man erreicht dies hauptsächlich durch Unterdrückung oder straffe Zügelung des zerstörenden Wuchergewerbes, der Monopole, Latifundien und dergleichen."

 

Francis Bacon, englischer Schriftsteller, Philosoph und Politiker (1561 - 1626)


Im Würgegriff der Monopolisten

Das neue Spiel von Hasbro
Das neue Spiel von Hasbro

Wir können nehmen, was wir wollen: Sobald etwas beginnt zu wuchern, schadet es mehr, als es nutzt. Wenn etwas beginnt, die Dinge um sich herum regelrecht "aufzufressen", "zu vereinnahmen", dann sollten wir es eigentlich stoppen. Aber das ist das Gesetz der Expansion. Eine Expansion benötigt immer mehr Volumen, sie muss immer etwas in sich aufnehmen, um wachsen zu können. Sie braucht Nahrung. Beim Krebs sind es die gesunden Zellen, bei den Großkonzernen die gesunden Menschen. Sobald man vereinnahmt wurde, herrschen die Gesetze des Vereinnahmenden. 

 

Dazu gibt es eine ganze Reihe von Beispielen:

 

Nehmen wir gleich zu Beginn einmal "Google". In einer Garage geboren und dann genau zur richtigen Zeit aufgewachsen, ist dieses Konzept der Suchmaschinen, zum größten Imperium der Internetgeschichte herangewuchert. Das ist Monopolismus, wie er entsteht, wenn wir es zulassen.

 

Als Google noch nicht existierte, habe ich gerade ein Studium zur Online-Redakteurin begonnen und eine der goldenen Regeln hierbei lautete: Nie mehr als zehn Links auf einer Seite. Ich fand das auch ideal, da mich diese Reizüberflutung auf den damaligen Suchmaschinen-Portalen sehr gestört hat. Wer kann sich noch an Lycos erinnern? Die sympathische Suchmaschine mit dem Labrador. Ich fand sie ja auch ganz nett und sie hat sich durch viel Eigenwerbung sehr schnell nach oben katapultiert, aber die Informationen auf diesen Suchmaschinen waren mir einfach to much. Und dann kam Google! Welch Wohltat für mein Gehirn. Ich bin mir sicher, das Geheimnis von Google ist: Nie mehr als zehn Links auf einer Seite!!! Zwar muss man sich für seine Informationen durch Unmengen von Links ackern, bis man endlich am Ziel ist, aber man wird nicht ständig von Bildern und Animationen und Schlagzeilen erschlagen. Bing hat übrigens das gleiche Prinzip angenommen, allerdings mit teilweise fürchterlichen Hintergründen, die auch kein Mensch braucht. Aber vielleicht hat jedes Bild seine manipulativen suggestiven Eigenschaften, Microsoft wäre dies zuzutrauen.

 

Wenn ein Unternehmen schon so groß ist, dass es einen eigenen Begriff erschaffen hat (googeln steht sogar im Duden, als schwaches Verb), dann ist es schon zu spät. Die Abhängigkeit ist dann schon so groß, dass es kein Zurück mehr gibt. Oder hat schon mal einer was vom "Bingen" gehört?

 

Und wenn das Unternehmen auch noch schnell groß wird, dann kommt es irgendwann einmal zu einem Gerangel um die besten Plätze. Jeder will beachtet werden, etwas, dass in einem überschaubarem Rahmen nicht nötig ist, dort erhält jeder seine Aufmerksamkeit. Die Masse macht es hier zu einer Herausforderung, sich diese Aufmerksamkeit zu "verschaffen". Das ist der perfekte Nährboden für Konkurrenz, Korruption, Intrigen, Kriminalität und natürlich für den Kapitalismus.

 

Ich persönlich habe den Kampf mit Google beendet. Aus irgendeinem, mir unersichtlichem Grunde, weigert sich Google, mich bei Suchbegriffen zu listen. Ich betreibe diese Seite schon seit Monaten und habe kaum Besucher, weil Google das nicht will. Mein anderer Blog wird geradezu überschüttet mit Besuchern, obwohl ich dort geraume Zeit nichts gepostet habe. Heute poste ich dort nur noch meine Links zu dieser Seite, damit wenigstens ein paar Leute die Chance erhalten meine Beiträge hier zu lesen. Ohne meinen anderen Blog, würde ich hier verkümmern, wie ein ungegossenes Blümchen.

 

Sicher habe ich viele Möglichkeiten. Ich könnte mir einen Experten an Land ziehen, der mir dann für ein ordentliches Honorar meine Suchmaschinenoptimierung (SEO) verbessert. Ich könnte mich bei verschiedenen Blogger-Registern anmelden und/oder sogar bei Google eine Anzeige schalten. Ich könnte durchs Netz surfen und überall meine Links hinterlassen, wie kleine Hundehäufchen, denn Google liebt sogenannte "Backlinks". Das sind Links, die von einer anderen Seite aus angeklickt werden. Aber dazu habe ich ehrlich gesagt keine Lust. Ich schreibe weiter fröhlich meine Beiträge, in der Hoffnung, dass Google mich eines Tages listet oder die User auf andere Suchmaschinen umsteigen, die meine Einträge auch zu würdigen wissen.

 

Ich bin aus diesem Wettkampf ausgestiegen, weil ich es mir leisten kann, als Hobbybloggerin. Aber was tun diejenigen, die vom Internet leben? Die stecken voll und ganz im Würgegriff dieses Monopolisten.

Wissen ist Macht!

Foto: dpa
Foto: dpa

Ja, sogar mächtiger als Geld, denn mit Wissen macht man Geld. Also, wer das Wissen regiert, regiert die Welt. Und damit kommen wir zum nächsten, zum Teil unterschätzten, Monopolisten: Wikipedia.

 

Ihr tut es, ich tue es, wir alle tun es: Wir alle schauen auf Wikipedia, wenn wir etwas wissen wollen. Wir zitieren daraus, berufen uns darauf und manche halten Wikipedia für so etwas wie das heilige Brockhaus. Nur mit dem Unterschied, dass sich solche freien Plattformen verselbstständigt haben. Sie haben sich ihre eigenen Grenzen gesteckt, ihren eigenen Kern gebildet. Von einer freien Enzyklopädie kann hier nicht mehr die Rede sein. Es ist irgendwie das Gleiche, wie mit Scheiße und Fliegen. Am Ende bleibt immer dieselbe Sorte Fliegen an der Scheiße kleben, der Rest schwirrt nur mal eben so drumherum. Der Haufen wird dann verteidigt auf Teufel komm raus. Und wehe dem, der sich ein Plätzchen ergattert hat, der wird sofort attackiert und kann wieder abschwirren.

 

Wo die Bild-Zeitung einem noch gewährt: "Bild Dir Deine (eigene) Meinung!", geht der eingeschworene Kern von Wikipedianern schon einen Schritt weiter und meint: "Wir machen (unsere) Meinung!". Na, aber hallo! Ok, die Bild-Zeitung ist natürlich auch ein Meinungsmacher, keine Frage, aber wenigstens bieten sie einem noch an, sich selbst eine Meinung zu bilden. Und schließlich steht es einem frei, sich eine Bild-Zeitung zu kaufen oder diese einfach liegen zu lassen und sich eine andere Quelle zu suchen, es gibt ja zum Glück genügend Auswahl. Aber bei enzyklopädischem Wissen ist das nochmal eine andere Sache. Woher sollen wir diese Informationen sonst bekommen? Früher hatte jeder Haushalt mindestens ein Lexikon zuhause und mehr als da drin stand, musste eh keiner Wissen.

 

Heute sind wir es gewohnt, dass wir nahezu zu jedem Thema auf Wikipedia etwas finden. Es ist unbestritten die erste Adresse bei Nachforschungen aller Art. Doch leider handelt es sich hierbei nicht ausschließlich, um eine von klugen Menschen, gut recherchierte Sammlung wahrheitsgemäßer Informationen, sondern um einen etwas größeren Haufen, der von einem eingeschworenen Schwarm Fliegen besetzt wird. Es gibt eben genügend Themen die strittig sind und anstatt offen darüber zu debattieren, was denn nun richtig ist, werden hier zum Teil Kämpfe ausgetragen, die zu kämpfen es sich oft nicht lohnt, zumindest nicht für die "Richtigsteller". Für die Fliegen lohnt es sich allemal. Wer sich bei Wikipedia schon so etwas wie eine Vormachtsstellung erkämpft hat, der gibt diese nicht so schnell wieder auf.

 

Alternativen zu Wikipedia gibt es kaum. Entweder sie kosten Geld oder sie sind auf ein Thema beschränkt. Im Übrigen hört oder liest es sich immer gut, wenn man schreibt, Quelle: Wikipedia. Das ist genauso, wie wenn man während eines Gespräches sagt: "Echt jetzt, das hat eine wissenschaftliche Studie bestätigt!". Aha, dann muss es ja wohl stimmen.

 

Und schon wieder ein Würgegriff, bei dem es schwer wird, wieder herauszukommen. Nicht, wenn man darauf angewiesen ist.

Ein Mangel an Alternativen und Knebelverträge machen es einem schwer zu wechseln

Ich könnte hier jetzt eine Endlosliste aufführen, mit Unternehmen, die diverse Bereiche fest im Griff haben. Großkonzerne die den Ton angeben und alles daran setzen, dass es auch so bleibt. Entweder es mangelt an Alternativen oder ein Wechsel ist so kompliziert, dass der Verbraucher irgendwann aufgibt. Ich habe schon zweimal versucht zu wechseln, einmal den Stromanbieter und einmal meinen Fernseh-, Telefon- und Internetprovider. Mit meinem Strom wollte ich zu E wie Einfach wechseln. Das war eine Katastrophe und alles andere als einfach. Es hat Wochen gedauert bis ich die Nachricht erhielt, dass mich mein alter Stromanbieter nicht aus meinem Vertrag lässt. Das hat nicht gestimmt, aber bis ich das alles recherchiert hatte, war der Strompreis schon wieder gestiegen. Ich hatte dann noch Glück und konnte den Antrag zurückziehen und wieder zu meinem alten Stromanbieter gehen, der zwar Ökostrom anbietet, aber eben zum stolzeren Preis. Bei meinem Provider war es ähnlich. Nichts als Ärger. Wir hatten gewechselt und haben dann bemerkt, dass wir vom Pferd auf einen Esel umgestiegen sind. Die Geschwindigkeit war mies, der Service absolut schlecht und die Receiverfunktionen stammten noch aus dem Mittelalter. Aber es war billig. Hat alles nichts genützt, denn auch hier gab es Probleme mit dem alten Vertrag. Der neue Anbieter hatte es verbockt - ein Serviceproblem - und es hat uns auch hier wieder jede Menge Ärger eingebracht. Letztendlich saßen wir bei der Verbraucherzentrale und ließen uns dort, für 19,80 Euro, den Vertrag aufkündigen. Was bei uns nicht geklappt hat, weil dort nur inkompetente Aushilfskräfte am Servicetelefon sitzen, hat der Mann in der Verbraucherzentrale in fünf Minuten, mit einem kurzen Anruf, geklärt. Das hat mich echt geärgert.

 

Was ich damit sagen möchte ist, dass egal was wir uns als Alternativen auswählen, wir immer wieder bei den Monopolisten landen. Die Telekom hat die Leitungen im Griff, die EnBW den Strom und selbst wenn wir ausweichen wollen, hängen die immer irgendwie mit drin. Versucht mal eine alternative Suchmaschine zu benutzen, da werdet Ihr nicht arg weit kommen. Und wenn, dann ist vielleicht die Oberfläche eine andere, aber die Daten kommen fast immer von Google.

"Geiz ist geil" und "Wir machen alles für sie"

Und so werden wir sie nicht mehr los, die Geister, die wir riefen. Wir haben uns das selbst zuzuschreiben, denn wären wir nicht so geil auf Geiz und so anfällig für Bequemlichkeit, dann sähen die Dinge ganz anders aus. Das zivilisierte Leben ist anstrengend. Was muss man da nicht alles beachten und wir können eben nicht in allem Experte sein. Das ist der Preis, den wir bezahlen, für diesen Wohlstand. 


Von mir immer wieder gerne gelesen: Der Zauberlehrling von Goethe. In diesem Gedicht steckt soviel Tiefe und wir können es praktisch eins zu eins auf unsere Wohlstandsituation übertragen. Nur dass bei uns bis heute kein Meister vor der Türe steht, der uns aus diesem Dilemma befreien könnte.

Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister

sich doch einmal wegbegeben!

Und nun sollen seine Geister

auch nach meinem Willen leben.

Seine Wort und Werke

merkt ich und den Brauch,

und mit Geistesstärke

tu ich Wunder auch.

 

Walle! walle

Manche Strecke,

daß, zum Zwecke,

Wasser fließe

und mit reichem, vollem Schwalle

zu dem Bade sich ergieße.

 

Und nun komm, du alter Besen!

Nimm die schlechten Lumpenhüllen;

bist schon lange Knecht gewesen:

nun erfülle meinen Willen!

Auf zwei Beinen stehe,

oben sei ein Kopf,

eile nun und gehe

mit dem Wassertopf!

 

Walle! walle

manche Strecke,

daß, zum Zwecke,

Wasser fließe

und mit reichem, vollem Schwalle

zu dem Bade sich ergieße.

 

Seht, er läuft zum Ufer nieder,

Wahrlich! ist schon an dem Flusse,

und mit Blitzesschnelle wieder

ist er hier mit raschem Gusse.

Schon zum zweiten Male!

Wie das Becken schwillt!

Wie sich jede Schale

voll mit Wasser füllt!

 

Stehe! stehe!

denn wir haben

deiner Gaben

vollgemessen! -

Ach, ich merk es! Wehe! wehe!

Hab ich doch das Wort vergessen!

 

Ach, das Wort, worauf am Ende

er das wird, was er gewesen.

Ach, er läuft und bringt behende!

Wärst du doch der alte Besen!

Immer neue Güsse

bringt er schnell herein,

Ach! und hundert Flüsse

stürzen auf mich ein.

 

Nein, nicht länger

kann ichs lassen;

will ihn fassen.

Das ist Tücke!

Ach! nun wird mir immer bänger!

Welche Miene! welche Blicke!

 

O du Ausgeburt der Hölle!

Soll das ganze Haus ersaufen?

Seh ich über jede Schwelle

doch schon Wasserströme laufen.

Ein verruchter Besen,

der nicht hören will!

Stock, der du gewesen,

steh doch wieder still!

 

Willst am Ende

gar nicht lassen?

Will dich fassen,

will dich halten

und das alte Holz behende

mit dem scharfen Beile spalten.

 

Seht da kommt er schleppend wieder!

Wie ich mich nur auf dich werfe,

gleich, o Kobold, liegst du nieder;

krachend trifft die glatte Schärfe.

Wahrlich, brav getroffen!

Seht, er ist entzwei!

Und nun kann ich hoffen,

und ich atme frei!

 

Wehe! wehe!

Beide Teile

stehn in Eile

schon als Knechte

völlig fertig in die Höhe!

Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

 

Und sie laufen! Naß und nässer

wirds im Saal und auf den Stufen.

Welch entsetzliches Gewässer!

Herr und Meister! hör mich rufen! -

Ach, da kommt der Meister!

Herr, die Not ist groß!

Die ich rief, die Geister

werd ich nun nicht los.

 

"In die Ecke,

Besen, Besen!

Seids gewesen.

Denn als Geister

ruft euch nur zu diesem Zwecke,

erst hervor der alte Meister."

 

Johann Wolfgang von Goethe


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