Venezuela: Präsident Maduros Kampf gegen die Wirtschaft

Der Nachfolger von Hugo Chávez hat es nicht leicht. Nicolàs Maduro, der derzeitige venezolanische Präsident, hat ein schweres Erbe angetreten. Ich kenne mich in der Geschichte Venezuelas nicht genug aus, um mir ein Urteil darüber erlauben zu können, aber ich weiß, dass dieses Land große Probleme hat. Eines dieser Probleme ist die Wirtschaft (wie fast jedes andere Land auf der Welt auch).

 

Trotz riesiger Erdölvorkommen gelingt es diesem Land nicht, zu einem zweiten Saudi-Arabien zu werden. Das mag vielleicht daran liegen, dass sie den Amerikanern nicht tief genug in den Allerwertesten kriechen. Schließlich ist die USA der letzte Staat, der sich "normalerweise" verweigert, in Erdölförderung zu investieren. Das muss heißen, dass sich die Präsidenten Venezuelas, nicht auf einen Kuhhandel mit irgendwelchen Industrieländern einlassen. Sonst würden dort schon längst die modernsten Bohrinseln rumschwimmen und die größten Raffinerien stehen.

 

In John Perkins "Economic Hitman" werden solche Vorgänge genauestens beschrieben. Erst wird ein Land wirtschaftlich an die Wand gefahren, dann der Staatschef geputscht oder ermordet und wenn alles nichts hilft, ein Krieg angezettelt. Manche Staatsmänner halten eine Weile durch, aber im Endeffekt verlieren sie den Kampf. Die Aasgeier haben einfach den längeren Atem und die besseren Mittel. Außerdem verfügen sie über jede Menge Erfahrung, schließlich haben sie schon zig Länder und Staatsmänner auf diese Art und Weise platt gemacht.

 

Maduro versucht nun, auf seine ganz eigene Art und Weise, gegen die wirtschaftliche Einflussnahme in seinem Land anzukämpfen. Es heißt, Chàvez und er, haben das Land in die Inflation getrieben und seien somit selbst verantwortlich für eine fast 50%ige Inflationsrate. Und das bei einer angeblichen Einnahme durch Erdöl, in Höhe von ca. 95 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012. In Anbetracht der maroden Ölförderanlagen kaum zu glauben, denn die ganzen Investoren haben schon unter Chàvez das Weite gesucht. So verließ Mitte der 2000er Jahre Exxon Mobil das Land, nachdem es gezwungen wurde, Teile seiner Anteile an Ölfeldern in Venezuela an den venezolanischen Staat zu verkaufen. [Quelle: faz.net]

 

Da nun die Preise im Land rapide gestiegen sind und sich der Bürger kaum mehr etwas kaufen kann, hat Maduro nun eine "ökonomischen Offensive" angeordnet. Heißt im Klartext: Er ließ die Armee anrücken, Geschäftsführer und Unternehmer verhaften und gab dem Volk dann den Startschuss nach Lust und Laune, zu fairen Preisen, einkaufen zu können. Sogenannte "Preisinspektoren" erhielten die Aufgabe, alle Wucher sofort zu melden. Das erste Unternehmen, das daran glauben musste, war die Elektrowarenkette Daka. Dort stürmten die Menschen die Läden und plünderten zum Teil, ohne zu bezahlen. Jetzt möchte Maduro diese Aktion auf alle Preistreiber im Land ausweiten. Auch Lebensmittelketten werden davon nicht ausgeschlossen, die sind sein nächstes Ziel.

 

Ich denke mal nicht, dass er damit etwas Nachhaltiges erreichen wird. Für mich sieht das eher aus, wie ein Akt der Verzweiflung. Der nächste Schritt wird wohl in Richtung Putsch gehen. Chàvez war schon unliebsam, da wird sich Maduro auf diese Art keine Freunde machen. Aber was bleibt ihm sonst übrig, bei Verhandlungen gibt es im Endeffekt immer nur einen Sieger und das ist meistens nicht das Volk.

 

Quelle: zeit.de



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