Can`t be silent - Eine Flucht ins Gefängnis

"Eine Seefahrt die ist lustig,

eine Seefahrt die ist schön,

denn da kann man seine Leute,

der Reihe nach sterben sehen!

Hol-la-hi, hol-la-ho..."

 

Findet das jemand makaber? Sicherlich, so beim ersten Lesen, kann das schon makaber rüberkommen. Aber das, liebe Leute, ist die Realität. Aber was soll`s, sind ja nur ein paar Schwarze aus Ländern, die uns nichts angehen. Menschen dritter Klasse. Da wäre es schlimmer, wenn ein Frachter mit Waren aus China untergehen würde. Der wirtschaftliche Schaden wäre weit aus größer. Im Gegenteil, mit jedem voll besetzten Flüchtlingsboot scheint unsere Wirtschaft angegriffen zu werden. Sie nehmen uns unsere Arbeit, unsere Wohnungen, unsere Frauen. Sie morden, rauben, dealen und hängen den ganzen Tag nur rum. Ja, sie nehmen uns alles und geben uns nichts. Das sind die allgemeinen Parolen, wenn es um das Thema Flüchtlinge bzw. Asylanten geht.

 

Weiter geht es mit: Das sind doch gar keine Kriegsflüchtlinge, sondern Wirtschaftsflüchtlinge, die hier nur unsere Sozialämter plündern. Auf diesen Gedanken kommt man sicherlich, wenn man berücksichtigt, das fast nur Männer bei uns ankommen. Was ist mit den Frauen und Kindern? Sind die etwa nicht bedroht, von dem, vor dem die Männer flüchten? Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Krieg schon lange nicht mehr der einzige Grund ist, warum ein Mensch um sein Leben kämpft. Was nützt den Menschen dort der Frieden, wenn sie nichts zu Essen haben oder zu Trinken? Friedlich verhungern macht keinen Unterschied, tot ist man nachher trotzdem. Die Art zu Sterben ist vielleicht eine andere, vielleicht sogar eine weitaus schlimmere, weil man vor diesen Tätern nicht flüchten kann. Aus Kriegsgebieten kann man flüchten, vor der Hungersnot nicht, die verfolgt einen gnadenlos. Da liegt der Gedanke schon nahe, ins Schlaraffenland zu flüchten und von dort aus für seine Familie zu sorgen.

 

"Aber so schlecht geht es denen doch gar nicht!", ist ein weiterer gern zitierter Satz. Na ja, wie schlecht muss es einem gehen, wenn er mit einem völlig überfüllten Boot, eine Seefahrt von mehreren hundert Meilen, auf sich nimmt? Ich würde mal sagen: Ziemlich schlecht! Vergessen wir nicht: Die haben ein ganz anderes Bild von Europa, als wir es haben! Für viele Ausländer ist Europa ein Land, in dem tonnenweise Essen weggeschmissen wird - täglich! Hier gibt es sauberes fließendes Wasser. Ärzte ohne Grenzen, an jeder Ecke mindestens einer. Und, wir leben in einer (Schein-)Demokratie. Welch ein Schlaraffenland! Aber weit gefehlt. Die Träume zerplatzen, wenn nicht vorher schon im Meer bei den Fischen, dann spätestens an Land in den Auffanglagern. Einmal hier angekommen, fängt ein ganz anderes Martyrium an.

 

Hier haben sie genug zu Essen, ein Dach über dem Kopf und wenn mal was ist, dann können sie auch einen Arzt in Anspruch nehmen. Was braucht ein Mensch mehr im Leben? Wer von den Europäern würde sich mit diesen Dingen zufrieden geben? Das alles bekommt man in einem Gefängnis auch und doch fürchtet sich jeder vor dem Gefängnis. Warum nur? Vielleicht weil hier ein ausschlaggebendes menschliches Bedürfnis fehlt? Die Freiheit vielleicht? Die Freiheit etwas zu tun, sich zu entfalten und zu entwickeln? Die Freiheit seinen Beitrag an der Gesellschaft leisten zu dürfen? Wir behandeln diese Menschen wie zwischengelagerte Tiere. Wir sperren sie ein, berauben sie ihrer Freiheit, halten sie nur stofflich am Leben und denunzieren sie, wo wir nur können. Ist das eine Art Strafe, für die Frechheit sich unerlaubt in unser schönes reiches Land getraut zu haben? Es hat den Anschein. 

 

Heinz Ratz ist Songpoet und politischer Liedermacher und er will das allgemeine Schweigen durchbrechen (can`t be silent) und uns Europäern ein wenig die Angst vor Flüchtlingen nehmen. Dazu hat er 80 Flüchtlingsunterkünfte in  Deutschland besucht  und dort Musiker von Weltklasseformat gefunden. Seine Combo „Strom & Wasser“ wurde kurzerhand durch ein „feat. The Refugees“ erweitert und begeisterte auf einer großen Deutschland-Tournee ein riesiges Publikum. 

 

Dazu gibt es einen interessanten Bericht vom ZDF-Magazin aspekte vom 23. August:

Und hier gibt es ausführliche Informationen zum Projekt "Can`t be silent":

 

Die Story

 

Zitate aus den Interviews mit den "Refugees" (Gespräche mit Betroffenen)


Und zu guter letzt der Trailer zum Kino-Film:


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Kommentare: 1
  • #1

    Lichtblick (Freitag, 29 November 2013 12:53)

    Das System der (Ohn) Macht. Erst die dunklen Mächte als Marionetten unterstützen, die Situationen herbeiführen, damit Menschen aus Angst um ihr Leben u.a. nach Deutschland fliehen, dann Ihnen zeigen, wie man mit solch ÜBERFLÜSSIGES ASYLANTENPACK umgeht. Welcher Spitzenpolitiker würde es zulassen, wenn in seiner Bonzensiedlung Asylanten in ein Haus einquartiert werden. Wir müssen endlich gemeinsam aufstehen, um gegen solch nichtsnutziges Möchtegernpack und. Weltfeinde zu rebellieren und endlich Lippenbekentnisse zu solchen Ungerechtigkeiten bleiben zu lassen.