Weihnachtsbeleuchtung - Stromfresser Nr. 1


"Oh, es ist ja soooo schön!" - Ja, es ist so richtig schön, wenn Unsummen an Strom verbraucht werden, damit den Menschen in den Großstädten, wenigstens einmal im Jahr ein Licht - äh, Entschuldigung - mehrere Millionen Lichter aufgehen.

 

Pünktlich zum 1. Advent leuchten mal wieder zig hundert Städte um die Wette. Egal, wie Pleite eine Stadt ist, eine opulente Weihnachtsbeleuchtung muss schon sein, man will sich ja nicht lumpen lassen.

 

In Zeiten, wo jeder kleine Verbraucher zum Stromsparen angehalten wird, halte ich solche Spektakel für völlig übertrieben. Vom 30. November 2013 bis zum 1. Januar 2014 erleuchten z. B. in Berlin, unter den Linden, 220 Bäume, mit einer 60 Kilometer(!) langen LED-Leuchtbandkette! Die Kosten hierfür liegen im fünfstelligen Bereich, nur für diesen kurzen Zeitraum!

 

Auf der anderen Seite befürchten führende Stromanbieter, dass es zu Engpässen in der Stromversorgung für diesen Winter kommen könnte [hier nachzulesen]. Zwar heißt es, dass es sich hierbei um reine Angstmache, seitens der Netzbetreiber, handele,  aber allein die Tatsache, dass auf der einen Seite Besorgnis über die Stromversorgung propagiert und auf der anderen Seite der Strom nur noch so hinausgeblasen wird, grenzt für mich an Hohn. Aber wie sooft profitieren die Netzbetreiber von beiden Seiten. Die Angstmache ist dazu da, erneuerbare Energien in Misskredit zu bringen (mit Atomkraft ist so etwas kein Problem) und an den Beleuchtungen verdienen sie einen Megahaufen Geld.

Solche eine zentrale Beleuchtung würde genügen und wäre zudem äußerst romatisch
Solche eine zentrale Beleuchtung würde genügen und wäre zudem äußerst romatisch

Wer sich mal reinziehen möchte, wo und wie viel überall beleuchtet wird, der kann sich die Suchergebnisse bei Google mal anschauen. Das hat für mich nichts mehr mit besinnlicher Beleuchtung zu tun. Das ist für mich nur ein Wettrennen, um die prunkvollste Einkaufsmeile. Besinnlichkeit heißt für mich, wenn ein kleines Licht im Dunkeln erhellt und die Konzentration darauf fällt. Bei diesen Lichtfluten wird man ja regelrecht kirre im Kopf. Totale Reizüberflutung. Aber auch das wird seinen Grund haben, wenn manche Städte, die Nacht zum Tag machen. 

 

Ich habe auch nichts dagegen, wenn auf einem großen Marktplatz, ein großer üppig geschmückter Weihnachtsbaum steht. Das ist nostalgisch und anmutig und es konzentriert die Aufmerksamkeit auf diesen einen Baum. Was muss man z. B. noch die Kirche schmücken oder sämtliche Häuser in der Umgebung, da verliert der Weihnachtsbaum völlig an Wirkung.

 

Das ist unser ewiger Drang nach Wachstum. Überall muss jedes Jahr noch einer oben drauf. Immer größer, immer weiter, immer mehr. Und den Verbrauchern wird suggeriert: Es ist völlig in Ordnung, wenn du es zur Weihnachtszeit so richtig krachen lässt. Von manch einer Beleuchtung könnte eine dreiköpfige Familie ein Jahr mit Strom versorgt werden. 


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Kommentare: 3
  • #1

    MariaAnders (Montag, 02 Dezember 2013 15:24)

    Sei mir nicht böse. Auch ich habe in der dunklen Jahreszeit immer eine bunte Lichterkette am Küchenfenster. Damit ertrage ich ab Oktober die dunklen Nachmittage besser bis zum März. Aber übertreiben sollte man nicht. Weniger ist auch hier oft mehr.

    Mehr machen wir auch nicht. Auch auf einen Weihnachtsbaum wird verzichtet. Darin würden ohnehin nur unsere Katzen drin herumturnen. Wir hängen Selbstgebasteltes an die Fenster und zünden jetzt öfter eine Kerze an.

  • #2

    maras-welt (Montag, 02 Dezember 2013 15:31)


    Warum sollte ich Dir böse sein? Du weißt sicher, was ich meine. Diese schamlose Übertreibung und der ständige Wachstum sind das, was mich ankotzt. Und diese Doppelmoral, auf der einen Seite Sparsamkeit abverlangen und auf der anderen Seite Energie hinausblasen.

  • #3

    MariaAnders (Montag, 02 Dezember 2013 15:38)

    Hast recht.