Eine Verfassung in der das Bruttonationalglück das oberste Gebot ist


Jigme Singye Wangchuck
Jigme Singye Wangchuck

Eine Welt, in der einer für alle und alle für einen einsteht. Eine Welt, in der das Glück aller Menschen im jeweiligen Land an oberster Stelle steht. Geht das? Ja, das geht. Drei Länder machen dies vor und haben das Wohl von Mensch und Natur in ihrer Verfassung verankert. Zum einen Bhutan, zum anderen Ecuador und Bolivien. 

 

Bhutan:

 

In Bhutan wurde dafür der Begriff Bruttonationalglück ins Leben gerufen. Bruttonationalglück (BNG) ist der Versuch, den Lebensstandard in breit gestreuter, humanistischer und psychologischer Weise zu definieren und somit dem herkömmlichen Bruttonationaleinkommen, einem ausschließlich durch Geldflüsse bestimmten Maß, einen ganzheitlicheren Bezugsrahmen gegenüberzustellen.

 

Der Ausdruck wurde 1979 von Jigme Singye Wangchuck, dem damaligen König von Bhutan geprägt, in Entgegnung auf ein Interview mit einem indischen Journalisten, der sich nach dem Bruttoinlandsprodukt von Bhutan erkundigt hatte. Der König wollte damit zum Ausdruck bringen, dass er sich einer Wirtschaftsentwicklung verpflichtet fühle, die Bhutans einzigartiger Kultur und ihren buddhistischen Werten gerecht werde. Bhutan hat zu diesem Zweck mit der Kommission für das Bruttonationalglück eine Staatskommission eingesetzt.

 

Während konventionelle Entwicklungsmodelle das Wirtschaftswachstum zum herausragenden Kriterium politischen Handelns machen, nimmt die Idee des Bruttonationalglücks an, dass eine ausgewogene und nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft nur im Zusammenspiel von materiellen, kulturellen und spirituellen Schritten geschehen kann, die einander ergänzen und bestärken. Die vier Säulen des Bruttonationalglücks sind

  • die Förderung einer sozial gerechten Gesellschafts- und Wirtschaftsentwicklung,
  • Bewahrung und Förderung kultureller Werte,
  • Schutz der Umwelt und
  • gute Regierungs- und Verwaltungsstrukturen.

 

Quelle: Wikipedia

 

 

Ecuador:

 

Die neue Verfassung beinhaltet wesentliche verfassungsrechtliche Neuerungen. Sie beruft sich auf die in der indigenen Kultur begründeten Leitbilder Pachamama („Mutter Erde“) und Sumak kawsay („gutes Leben”, span. „buen vivir”). Die Wirtschaftsform soll sozial und solidarisch (vorher: sozial und marktwirtschaftlich) sowie einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet sein. Die neue Verfassung schreibt soziale Grundrechte auf Ernährung, Gesundheit und Bildung sowie eine staatliche Souveränität über „strategische Ressourcen“ fest. Neben der traditionellen Gewaltenteilung sieht sie Bürgerräte als „Vierte Gewalt“ im Staate vor. Als verfassungsgeschichtliches Novum wird die Natur als Rechtssubjekt definiert. Außerdem werden indigene Kulturen stärker anerkannt und das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit wird ausgedehnt.

 

Quelle: Wikipedia

 

 

Bolivien:

 

10 Gebote, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten

 

Der Geist, den die Verfassung trägt, lässt sich gut an den „zehn Geboten, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten" ablesen, die von Boliviens Präsident Evo Morales verfasst und von ihm auf der UNO-Generalversammlung vorgetragen wurden:

1. Mit dem Kapitalismus aufhören
Um den Planeten, das Leben und die menschliche Spezies zu erhalten, müssen wir mit dem Kapitalismus aufhören. Es ist Zeit, die finanziellen Schulden des Südens gegen die ökologischen Schulden des Nordens aufzurechnen.

2. Auf Kriege verzichten
Kriege sind die größte Verschwendung und Plünderung von Leben und der natürlichen Ressourcen. Wir, die indigenen Völker des Planeten, müssen der Welt sagen, dass wir glauben, dass die Millionen und Abermillionen von Dollar, die heute in die Industrie des Todes investiert werden, in einen großen gemeinsamen Fonds gehen sollten, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten.

3. Eine Welt ohne Imperialismus und Kolonialismus
Das kapitalistische System trägt in seinen Eingeweiden den Imperialismus und den Kolonialismus. Den anderen zu beherrschen, den anderen zu unterwerfen, den anderen zu kontrollieren und den anderen unterzuordnen sind die Formen des „Lebens" dieses Modells der „Entwicklung", die auf der Konkurrenz basiert und nicht auf der Ergänzung/Vollständigkeit.

4. Das Wasser als Recht aller Lebewesen
Ohne Wasser gibt es kein Leben. Der Grundwasservorrat geht weltweit zurück. Um uns mit dieser Weltkrise des Wassers auseinanderzusetzen, müssen wir damit anfangen, den Zugang zu Wasser als Menschenrecht zu erklären und folglich als eine öffentliche Dienstleistung, die nicht privatisiert werden kann. Wenn das Wasser privatisiert und vermarktet wird, können wir kein Wasser für alle garantieren. Es ist fundamental, den Zugang zu Wasser zum Menschenrecht zu erklären.


5. Saubere und umweltfreundliche Energiearten
Einige Daten ermöglichen  uns zu verstehen, was in der Welt im Hinblick auf die Anwendung von Energie und ihre Beziehung zur Natur vor sich geht. Die Entwicklung sauberer und umweltfreundlicher Energien ist eine weitere grundlegende Aufgabe zur Rettung des Planeten, der Menschheit und des Lebens.

6. Achtung vor der Mutter Erde
Der Schändung unserer Mutter Erde und aller ihrer Lebewesen werden wir mit der Kraft der Erkenntnis und der Liebe zur Schöpfung entgegenwirken. Die Erde kann nicht nur als eine natürliche Ressource angesehen werden. Wir respektieren die Natur, ehren unsere Mutter Erde und erkennen die Naturgesetze als höchstes Gesetz an.


7. Die Grunddienstleistungen als Menschenrecht
Der Zugang zu Wasser, Energie, Bildung, Kommunikation, Gesundheit und Transport ist ein Grundrecht, das jeder Staat seiner Bevölkerung als grundlegendes Menschenrecht garantieren muss. Diese Dienstleistungen können nicht zu privaten Geschäften gemacht werden. Sie müssen zur Grundlage der öffentlichen Dienste werden.

8. Verbrauchen, was notwendig ist, und Konsum des lokal Produzierten
Wir müssen Schluss machen mit dem Konsumismus, der Verschwendung und dem Luxus. Im ärmeren Teil des Planeten verhungern jedes Jahr Millionen Menschen; gleichzeitig werden im reicheren Teil des Planeten Millionen Dollar ausgegeben, um die Fettleibigkeit zu bekämpfen. Wir verbrauchen im Exzess, wir vergeuden Naturressourcen und produzieren Müll, der die Mutter Erde vergiftet. Verbrauchen, was notwendig ist, und dem Verbrauch dessen, was wir lokal produzieren, den Vorrang geben, das ist von erstrangiger Bedeutung, um den Planeten, die Menschheit und das Leben zu retten.

9. Respekt vor kultureller und wirtschaftlicher Vielfalt
Der Kapitalismus reduziert die Menschen auf ein Leben als Konsumenten. Wir - die indigenen Völker dieses Planeten - glauben nicht an Einheitslösungen für alle. Menschen sind verschieden. Wir leben in Gemeinschaften mit Identitäten, mit eigenen Kulturen. Eine Kultur zu zerstören, die Identität eines Volkes anzugreifen - das ist der größte Schaden, den man der Menschheit zufügen kann.


10. „Vivir Bien" – das gute Leben
Wir – die indigenen Völker dieses Planeten – wollen einen Beitrag leisten für eine gerechte, vielfältige und ausgeglichene Welt, die einschließt und nicht ausgrenzt. Wir sagen „Vivir Bien" – das gute Leben.
Ich denke, dass wir Menschen unsere Wurzeln wiederentdecken können - und sollten. Ich glaube daran, dass die Menschheit eine gerechtere Welt aufbauen kann. Eine vielfältige Welt, eine Welt, die integriert und ausgeglichen ist, eine Welt im Einklang mit der Natur, mit der Mutter Erde.

 

Quelle: sein.de (sehr guter Artikel - unbedingt lesen!)

 

Zugegebenermaßen stehen alle diese Länder weltwirtschaftlich nicht gut da. Ihre Politik wird diskreditiert und als nicht durchführbar dargestellt, weil das Wirtschaftswachstum nicht mehr an erster Stelle steht. Wie könnte man da etwas Positives darüber berichten? Es wäre nicht auszudenken, wenn wir am Ende ebenso danach verlangen!


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Kommentare: 4
  • #1

    FeeMara (Samstag, 26 Juli 2014 09:20)

    Geht doch!!!!
    Ich wusste, dass es Hoffnung gibt! :))
    Sollte unbedingt in die EU-Verfassung und in alle nationalen Verfassungen übernommen werden!!!
    Das wäre doch mal wieder eine Initiative wert! :)))

    Liebe Waldgrüße
    Mara

  • #2

    maras-welt (Samstag, 26 Juli 2014 09:35)


    Liebe Mara,

    das mit der Initiative ist doch mal eine gute Idee!
    Leider werden wir gekonnt dadurch abgelenkt, uns erst einmal um andere Initiativen zu kümmern (TTIP, CETA, TiSA usw.) :-(
    Und wir dürfen gar keine Verfassung erstellen, da wir nicht souverän sind, sondern von einem Unternehmen regiert werden.

    Aaaaber, ich bin auch guter Hoffnung, dass sich die Situation ändert. Schließlich wachen immer mehr Menschen auf :-)

    Lichtvolle Grüße
    Mara

  • #3

    FeeMara (Donnerstag, 31 Juli 2014 16:46)

    ... nun gut ...
    dann sollte es eben in die "Unternehmensverfassung" aufgenommen werden! ;))

  • #4

    maras-welt (Donnerstag, 31 Juli 2014 17:05)


    *grins* ...der ist gut!!!

    Wir müssen es uns nur wünschen :-)))