Gehirnwäsche schon für unsere Kleinsten


Man mag mich kleinlich nennen, aber das ist mir egal. In manchen Dingen bin ich eben so und im Besonderen, wenn es unsere Kinder betrifft. Da lasse ich nicht mit mir spaßen. Was mich so verärgert hat, ist Folgendes:

 

Ich verbrachte mit meinem Sohn einen sehr schönen Nachmittag im Ravensburger Spieleland. Das Wetter war toll, die Stimmung sehr gut. Wir fuhren so ziemlich alles, was uns angeboten wurde. Als wir dann schließlich zum Rodeo kamen, war die Begeisterung groß. Er wollte unbedingt beweisen, dass er es auf dem Stier aushält, ohne runterzufallen. Super, lass uns das gleich mal ausprobieren!

 

Er stieg also auf diesen Stier und ritt sein Rodeo und ich nahm es auf Video auf. Was ich leider beim Aufnehmen noch nicht bemerkte, war die Musik im Hintergrund. Zuvor muss man dazu sagen, dass Hintergrundmusik eine äußerst hohe Wirkung hat und sich je nach Emotion in unser Unterbewusstsein gräbt. Und da die meisten Kinder sehr konzentriert auf diesen Stieren sitzen, damit sie nicht herunterfallen, sind sie für Suggestionen geradezu prädestiniert. Es ist einfach was anderes, wie wenn man die Musik im Vorbeilaufen hört.

 

Als ich mir später das Video anschaute, viel mir sofort das Lied im Hintergrund auf, welches geschlagene drei Minuten vierzig Sekunden lief! Und immer wieder das Wort: Cocaine!!! Es lief fast schon wie ein Mantra - schön langsam und betont. Über zehn Mal Cocaine, Cocaine, Cocaine... Und wer jetzt denkt: Ist doch scheiß egal, ist doch auf Englisch, neee, das ist eben nicht egal. Erstens hört es sich genauso an wie Kokain und zweitens gehen sehr viele Englisch sprechende Kinder ins Ravensburger Spieleland.

 

Eines Tages, wenn das Kind ein Alter erreicht hat, wo es vielleicht gefragt wird: "Hey, hast du schon mal Kokain probiert?", dann sagt es erstmal nein, aber es spürt keine Abneigung, weil sein Unterbewusstsein den Begriff schon registriert hat und zwar in Zusammenhang mit etwas Positivem, nämlich das spaßige Rodeoreiten in einem Freizeitpark. Und schon ist die Gefahr da, dass es sagt: "Neee, aber lass mich mal probieren."

 

Jedes Computerspiel und alle Filme unterliegen einer Altersfreigabe. Warum geht das nicht bei Musik? Ich habe im Netz über Kinder gelesen, die mit gerade mal acht Jahren die Gruppe Rammstein vergöttern. Nichts gegen Rammstein - wer`s mag -, aber für ein achtjähriges Kind ist das wohl noch nicht die Musikrichtung, die als pädagogisch wertvoll einzustufen wäre.

 

Ich gebe zu, dass ich früher auch nicht darüber nachgedacht habe und mein Kind ACDC hab hören lassen. Die CD habe ich inzwischen vernichtet und Radio läuft bei uns keines mehr, weil ich nie weiß, was für ein Lied als nächstes kommt. Denn wenn einmal Die Ärzte läuft mit: Männer sind Schweine!, dann muss ich meinem Sohn erklären, warum Männer Schweine sind. Und in diesem Liedtext heißt es klar und deutlich: Männer sind Schweine - traue ihnen nicht mein Kind! Was für ein Bild bekommt ein Kind dann von Männern im Allgemeinen, von seinem Vater und am schlimmsten: von sich selbst (wenn es ein Junge ist, Mädchen können Furcht mit Männern verbinden)?

 

Wir können unsere Kinder nicht in Samthandschuhe packen, das ist mir klar, aber wir brauchen ihnen solchen Schrott nicht auf dem Silbertablett servieren. Solange wir noch die Möglichkeit haben, das zu beeinflussen, sollten wir es in jedem Fall in die richtige Richtung tun. Wo sie sich später hingezogen fühlen, dass liegt dann nicht mehr in unserer Hand. Aber oftmals ist es doch so, dass Kinder das gut finden, was die Eltern auch gut finden, nur um dazuzugehören. Gehen wir mit gutem Beispiel voran und bringen unseren Kindern bei, dass wir die Wahl haben. Dass wir ein Radio oder ein Fernsehgerät (wir besitzen beides nicht mehr) jederzeit ausschalten kann.

 

Und wer jetzt immer noch denkt, ich übertreibe, dem sei gesagt: Kinder sind wie trockene Schwämme! Sie saugen unbewusst alles auf, was ihnen im Kindesalter vorgelegt wird. Das Gefährliche dabei ist, dass dies unbewusst geschieht und sie es nicht bewusst einordnen können, sondern lediglich danach gehen, was sie dabei empfinden. Wenn dann sogenannte "Trigger-Words" (Auslösewörter) genannt werden, dann schaltet das Unbewusste sogleich auf die Emotion um, die es im Moment der Aufnahme erlebt hat.

 

Also, immer schön aufpassen, was wir hören, riechen, schmecken, sehen und fühlen und in welchem Zusammenhang wir dies tun!

 

Hier noch der Liedtext von Cocaine:

 

Wenn du rumhängen willst,
musst du sie herausnehmen,
Kokain
Wenn du runter kommen willst,
runter auf den Boden,
Kokain

Sie lügt nicht
sie lügt nicht sie lügt nicht
Kokain

Wenn du Probleme hast und
du willst deine Niedergeschlagenheit los werden,
Kokain
Wenn dein Tag gekommen ist und
du nur noch rennen willst,
Kokain

Sie lügt nicht
sie lügt nicht sie lügt nicht
Kokain

Wenn dein Ding nicht mehr steht und
du willst trotzdem weiter reiten,
Kokain
Vergiss nicht,
es wird nicht wieder kommen,
Kokain

Sie lügt nicht
sie lügt nicht sie lügt nicht
Kokain

 

Und das Lied selbst:

Schön entspannt und gar nicht mal aggressiv!!!


Nachträgliche Anmerkung:

Ich habe kurz nach dem Einstellen dieses Artikels eine E-Mail ans Ravensburger Spieleland gesendet und folgende positive Antwort erhalten:

 

Sehr geehrte Frau XXX,

 

vielen Dank für die Übersendung Ihrer Email bezüglich Ihres Besuches im Ravensburger Spieleland.

 

Wir freuen uns über Rückmeldungen und Anregungen unserer Gäste, denn nur so können wir unseren Service und unsere Dienstleistungen laufend überprüfen und ggfs. anpassen.

 

Ich möchte mich bei Ihnen für Ihren Hinweis bedanken. Wir haben das Lied umgehend aus unserem „Rodeo“ MP 3 Player entfernt und werden zukünftig bei der Auswahl der Songs, auf den geistigen Inhalt der Texte achten.

 

 

Besten Dank und viele Grüße nach XXX

 

Uwe XXX

Betriebsleiter

 

Das ist sehr erfreulich :-)


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