Ausverkauf Europa – Wenn Kultur und Kunst dem Kapitalismus zum Opfer fallen


Berge, Wälder, Seen, Inseln, Denkmäler, historische Städte, Burgen, Gebäude, Parks, Kirchen, Kapellen, uvm., all das ist schon verkauft worden oder steht zum Verkauf an. Wer denkt, dass wäre Zukunftsmusik, der hat sich gewaltig getäuscht. Seit Jahren findet die Verhökerung von Allgmeingut statt. Meistens schleichend, versteht sich. So, dass es keiner merkt. Nur am Rande wehren sich Anwohner, wenn es mal wieder darum geht, dass ihnen ein Stück Wald oder ein See oder ein Berg "enteignet" wird, nur um die (nie wieder zurückbezahlbaren) Schulden zu schmälern oder die Geldsäcke der Kapitalisten zu füllen. An die ganz großen Objekte tastet man sich erst noch ran. Die sind aber auch bald dran.

 

Osttirol - Kartitsch. Ringsum das wunderschön gelegene Bergsteigerdorf, zwischen den Dolomiten und den Karnischen Alpen, findet man noch traumhafte Landschaften und Berge. Dort wurden gleich zwei berühmte Berggipfel zum Verkauf angeboten.

Der große Kinigat
Der große Kinigat
Berggipfel "Roßkopf"
Berggipfel "Roßkopf"

Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) wollte 121.000 Euro für die Gipfel. Die betroffene Gemeinde Kartitsch war wenig begeistert. Auch wenn sich wenig ändern würde. Aber diese Berggipfel sind verbunden mit alten Traditionen und vielen Geschichten aus der Region. Eine Softwarefirma wollte die Berge kaufen und kurzerhand umbennen, als "Werbegag". Die Bürger waren empört. Der Bürgermeister verstand die Welt nicht mehr. Der Verkauf wurde glücklicherweise gestoppt bzw. auf Eis gelegt. Wer weiß, wann sie wieder einmal auf die Idee kommen und dabei erfolgreich sind. Davon abgesehen wurden dort schon Kapellen und Kirchen verhökert.


Irland. Was für die Österreicher die Berge, sind für die Iren die Wälder und Wiesen. Und wegen dem drohenden Staatsbankrott Irlands und der (immer noch nicht bezahlbaren) Schulden, haben sie einen regelrechten Ausverkauf der Wälder in Angriff genommen. Staatsvermögen in Höhe von 3 Mrd. Euro musste bereitgestellt werden, sonst hätte die EU den Rettungsschirm nicht geöffnet.

 

Die Wälder Irlands, die in der öffentlichen Hand der Forstverwaltung liegen, werden seither entweder verkauft oder verwertet. Hauptsache der Profit stimmt. Der Widerstand hat zwar erreicht, dass die kompletten Wälder nicht mehr privatisiert werden, dafür aber werden die Wälder für 99 Jahre in Erbpacht vergeben und "Einschlagrechte" verkauft, die es diversen Konzernen ermöglicht, die Wälder nahezu komplett abzuholzen. Am Ende kommt das Gleiche raus.

 

Als die Wälder immer kleiner und die Nutzungsrechte für die Öffentlichkeit eingeschränkt wurden, hat sich die Bevölkerung zusammengetan und zu Tausenden demonstriert. Die Regierung stellte den Verkauf daraufhin zurück. Wie auch mit den Bergen, wurde die Angelegenheit nur auf Eis gelegt. Sie sitzen wie Füchse auf der Lauer und warten, bis sie die Gans reißen können. Also, müssen die Bürger weiterhin die Augen offen halten.


Der wohl geschichtsträchtigste Platz in Frankreich "Place de la Concorde"
Der wohl geschichtsträchtigste Platz in Frankreich "Place de la Concorde"

Frankreich. Um "Bewegung" in die Immobilienpolitik Frankreichs zu bringen, wurde eigens eine Abteilung eingerichtet, die sich nun um Verkäufe von Nationalgütern kümmert, die dem Staat keinen Nutzen mehr bringen. So lautet zumindest die offizielle Erklärung. Dabei heißt es: Bestimmte Güter können "abgetreten" werden. Eine dieser abtretbaren Güter ist der Place de la Concorde. Einer der wohl geschichtsträchtigsten Plätze in ganz Frankreich. Zwar stand auch hier wieder "nur" der Erbpachtvertrag im Vordergrund, aber das ist nur eine andere Umschreibung für Verkauf, denn der Pächter kann über das Objekt verfügen, fast so als wäre es sein eigenes. Auch dieses Projekt wurde letztendlich auf "Eis" gelegt, aber nur solange der amtierende Präsident dem nicht zustimmt. Sarkozy und Hollande haben einem Verkauf bisher nicht zugestimmt.

 

Jedes Jahr werden einige "außergewöhnliche" Objekte veräußert, die sehr, sehr einträglich sind. Sie bringen mehrere Millionen Euro im Jahr. Super! Das hört sich doch sehr, sehr profitabel an. Immobilien die der Staat besitzt, sollten kostengünstig und zweckmäßig sein. Kulturgüter gehören ganz offensichtlich nicht dazu.  Und das, um die (mal wieder nicht bezahlbaren) Schulden zu tilgen. Dabei gehen nur 13 % in den Schuldenabbau und dafür wird Frankreichs Kultur verhökert.

 

Auch das Weinkulturgut bleibt nicht verschont. Chinesen haben die Anbaugebiete im Burgund für sich entdeckt. Höchstsummen werden geboten, die es den heimischen Winzern unmöglich macht, selbst Angebote abzugeben und Land zu erwerben. Dafür sehen sich die Chinesen schon zur Winzerfamilie "dazugehörig". Nostalgie und Romantik sind die Beweggründe für den Kauf großer Rebflächen und Schlösser. Es ist ja soooo schön, den Franzosen das Land unterm Hintern wegzukaufen - *lächel*. Die sind ja alle sooo nett und freundlich - *lächel*.


Kolosseum - eines der Wahrzeichen in Rom
Kolosseum - eines der Wahrzeichen in Rom

Italien. Das Kolosseum. Auf die Frage, wem denn das Kolosseum gehöre, sagte ein Römer: "Das Kolosseum gehört sich selbst.". Eine weise, aber unrealistische Antwort.

 

Das Kolusseum gehörte fast 2000 Jahre sich selbst, bis Berlusconi von einem Geistesblitz getroffen wurde. Er hatte die wahnwitzige Idee, sämtliche Wahrzeichen und Kulturgüter Italiens zu bewerten, um sie anschließend zum Verkauf anzubieten - einschließlich dem Kolusseum in Rom. Und weil die Italiener so schön demonstrieren können, haben sie das getan und sind auf die Barrikaden gegangen. Der Verkauf wurde gestoppt, die Eintrittsgelder jedoch, gehen zu 70 % an eine Privatfirma. Wo es doch lange Zeit kostenlos war, es anzuschauen.

 

Zu diesen Gütern gehören auch: der schiefe Turm von Pisa, das Amphitheater in Verona, die Stadt Pompeji, der Markusplatz in Venedig oder die spanische Treppe in Rom. Das ist nur ein kleiner Auszug. Italien ist voll von geschichtsträchtigen Monumenten. Sicher ein ordentliches Kapital. Ein Verkauf dieser Objekte würde eine regelrechte Identitätskrise in Italien auslösen. Wie lange noch, kann das Volk diesen Abverkauf verhindern?


Side Gallery an der Spree soll Luxuswohnungen weichen
Side Gallery an der Spree soll Luxuswohnungen weichen

Deutschland. Die Berliner Mauer. Dass man Teile der Berliner Mauer schon verkauft hat, ist nichts neues und auf Grund der Länge sicherlich nicht weiter tragisch. Aber dass man so langsam die gesamte Mauer abreißt und gerade denkwürdige und explizit denkmalgeschützte Abschnitte dem Erdboden gleich macht, nur um Neubauten hinklatschen zu können, das reizt die Bevölkerung auf`s Äußerste.

 

Gerade die Ufer der Spree sind ein wichtiger Teil der Geschichte Berlins. Investoren entziehen der Berliner Szene ihr Stadtbild, ihren Flair. Berlin ist nicht mehr Berlin, wenn es mit großen kalten Neubauten zugekleistert wird, nur um den Kapitalismus zu befriedigen. Der Grund, für den Ausverkauf von freien Flächen, ist natürlich mal wieder: der Abbau von (auch hier wieder nicht zurückbezahlbaren) Schulden!

 

Der Grund ist immer der gleiche: Profit, Profit, Profit... Das Traurige dabei ist, dass die Einnahmen solcher Aktionen gerade mal ein paar Tröpfchen auf einen glühend heißen Stein ausmachen. Die Tröpfchen verpuffen schon in der Luft, noch bevor sie den Stein berühren.

 

Was unterscheidet Deutschland von anderen europäischen Ländern? Ganz einfach: Der Protest in anderen europäischen Ländern war erfolgreich. Hier in Deutschland werden Entscheidungen so still und heimlich wie nur möglich getroffen und anschließende Demonstrationen mit Staatsgewalt im Keim erstickt. Das ist eine typische Deutsche-Regierungs-Taktik. Wenn hier einmal was entschieden wurde, ist es nicht mehr aufzuhalten. Siehe Stuttgart 21.


Antoni Gaudì`s Hommage an die Natur
Antoni Gaudì`s Hommage an die Natur

Spanien. Barcelona. Park Güell - Gaudís Hommage an die Natur. Die großzügige Parkanlage wurde von Gaudí entworfen. Der Park Güell ist sicher einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Barcelonas. Weltberühmt ist die mit Bruchkeramik verzierte gewundene Bank oberhalb der eigentümlich römischen Tempeln nachempfundenen Markthalle. Mit der Grünanlage hat Gaudí einen Märchenwald geschaffen. 

 

Was bisher für jeden frei zugänglich war, wird nun dem Kapitalismus zum Fraß vorgeworfen. Der Park wurde abgesperrt und privatisiert. Wieso das denn? Weil`s Geld einbringt! Ist doch klar. Sollen sich doch nur noch die betuchten Touristen an den Kunstobjekten Gaudì`s erlaben dürfen. Die Ausrede hierzu: "Wir regulieren lediglich den Besucherstrom!" Ach so! Na dann. Seit 1922 ist der Park geöffnet und erst jetzt muss man den "Besucherstrom" regeln. Vorher kam ja niemand vorbei.

 

Aus einem kulturellen Ort, wurde eine Touristenattraktion geschaffen - gleich einem Freizeitpark.

 

Ein weiterer unglaublicher Trend, ist der Verkauf berühmter Namen von Metrostationen. Das funktioniert so: Man nehme eine Station, z. B. Puerta del Sol in Madrid, und benenne sie um in: Vodafone Sol. Kein Witz. Das gibt es schon. Für umgerechnet 3 Millionen Euro hat die britische Telefongesellschaft das Recht erworben, ihren Namen drei Jahre lang für diesen Platz zu verwenden.

 

Ich finde die Spanier gehen mit gutem Beispiel voran. Wie wäre es denn, das Brandenburger Tor in Telekom Tor umzubennen. Oder den Potsdamer Platz in Aldi Platz. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.


TAIPED - Privatisierungsfond in Griechenland
TAIPED - Privatisierungsfond in Griechenland

Griechenland. Häfen, Autobahnen, Wasserversorgung, Immobilien. In Griechenland gibt es bald nahezu nichts Öffentliches mehr. Ein Land mitten im Schlussverkauf. Die Krabbeltische stehen bereit.

 

Für Furore sorgte die Schließung des öffentlich-rechtlichen Senders ERT. Ich persönlich würde mich eher freuen, wenn man ARD und ZDF schließen würde, ARTE jedoch würde ich echt vermissen. Da ich nicht weiß, wie die Berichterstattung und das Programm dieses Senders war, möchte ich mir hierzu kein Urteil erlauben. Die Griechen aber hat es tierisch aufgeregt.

 

Die Alternative zu den öffentlichen Sendern ist natürlich das Pay-TV, welches sich derzeit kaum ein Grieche leisten kann. Vielleicht hat diese Entwicklung aber auch ihr Gutes, aber wie schon erwähnt, liegt es sicher an der Qualität des Senders. Sollten die freien Journalisten sich nun zusammenschließen, dann könnte daraus etwas wirklich Zukunftsträchtiges werden. So hätte der Staat sich eine tiefe Grube geschaufelt. Jetzt kommt es darauf an, was die Griechen daraus machen.

 

Was die Griechen von den anderen europäischen Ländern unterscheidet ist, dass es hier ganz offiziell einen Privatisierungsfond gibt, der eigens dafür eingerichtet wurde, Griechenland zu verkaufen. TAIPED heißt dieser Fond:

 

T.A.I.PE.D. (griechisch: ΤΑΙΠΕΔ / Τ.Α.Ι.ΠΕ.Δ. = Ταμείο Αξιοποίησης Ιδιωτικής Περιουσίας του Δημοσίου)

Wörtlich: Kasse für Verwertung privaten Vermögens des Staates = dem griechischen Finanzministerium unterstehender Privatisierungsfond für Nutzung und Verwerten privaten staatlichen Vermögens Griechenlands.

 

Dieser Fond ist für die Rettung der griechischen Wirtschaft unabdingbar. Natürlich um die (nie und nimmer bezahlbaren) Schulden zu tilgen. TAIPED ist nicht staatlich und hat Zugriff auf den gesamten staatlichen Grundbesitz.

 

Eine kleine Halbinsel bei Korfu soll nun für 99 Jahre in Erbpacht übergehen, an einen amerikanischen Investment-Fond. Mal wieder die beliebte Erbpacht, die dem Pächter nahezu alles erlaubt. Kaum vorstellbar, dass diese unberührte Landschaft einem Investment-Fond zum Opfer fällt. Hier soll im großen Stil investiert werden und das bestimmt nicht in Landschaftssafaris.

 

Und nach der Halbinsel ist ein nahegelegener See dran. Stück, für Stück, für Stück, bis nichts mehr übrig bleibt.


Und so gräbt sich der Kapitalismus wie ein Maulwurf durch Europa. Es ist mühsam, für jeden Erhalt von Kultur, Kunst und anderen öffentlichen Eigentümern einzustehen. Wenn die Öffentlichkeit einmal etwas nicht mitbekommt, dann ist es weg. Aufsehen erregen tun nur die großen Objekte. In der Zwischenzeit werden zig kleine Kulturgüter veräußert, Objekte die wichtig sind für eine Region und nicht für ein ganzes Land. Da kommt man schwer ran. Und so müssen wir mitanschauen, wie sich der Virus "Ausverkauf" immer mehr und mehr verbreitet.

 

Deshalb gilt: Aufhorchen, hinschauen und sobald etwas verhökert werden soll, gleich öffentlich machen. Das kann man sehr gut über`s Netz, z. B. mit einer Petition.


Hier das Video zum Beitrag:


Dir gefällt dieser Artikel? Dann teile ihn mit Deinen Freunden!


Weitere Artikel aus den Kategorien:


Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Rabenflug (Mittwoch, 17 September 2014 18:01)


    Sehr dreist - wie kann man etwas verkaufen, daß einem garnicht gehört!?
    Naturdenkmäler sind Allgemeingut und kein Staatsbesitz - sie waren schon vor ewigen Zeiten da und werden noch existieren, wenn Staaten verfallen oder die Spezies Mensch längst ausgestorben ist!

  • #2

    maras-welt (Donnerstag, 18 September 2014 16:13)


    Naja, im Grunde gehört uns ja auch nichts. Es gehört alles den Banken! Sie müssen nur einen Weg finden, es den Banken offiziell zuzuführen.