Der Rassist in uns (Doku)


Schöne, bunte Welt. Mit so vielen verschiedenen Kulturen und außergewöhnlichen Menschen, das ist doch toll! Nein, ist es nicht. Zumindest nicht für alle. "Rassismus"  (ich mag den Begriff nicht, weil er sich auf Rassen beschränkt, es geht aber um viel mehr. Aber ich verwende ihn trotzdem, weil die Doku so heißt) ist immer noch tiefer in uns verwurzelt, als wir denken. Nur wird uns das nicht bewusst, da wir es nicht selbst erleben.

 

Wir können uns gar nicht vorstellen, mit was für Diskriminierungen (gruppenspezifische Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen) manche Minderheiten tagtäglich zu kämpfen haben. Immer noch werden Dunkelhäutige, Kopftuchtragende, Anderssprechende, zu groß geratene, zu klein geratene, zu dicke, zu dünne, Behinderte oder sexuell anders Orientierte herabwürdigend behandelt. 

 

Sie bekommen keine gleichberechtigten Jobs, obwohl sie vielleicht über die gleiche oder sogar eine bessere Qualifizierung verfügen, sie werden oft wie Kinder behandelt, man stellt sie gerne wie dumm hin, lästert über sie, schließt sie aus oder ignoriert sie gleich ganz. Und nicht selten rufen sie ein ungutes Gefühl hervor. Es gibt viele Möglichkeiten jemanden zu diskriminieren.

 

Rassismus bezieht sich eigentlich auf andere "Rassen", doch heutzutage reicht es schon aus, wenn man einfach nur anders ist. Man braucht nicht mehr tiefschwarz zu sein, es genügt oft schon, wenn man sich von der Norm abhebt. Was früher, z. B. im frühen Amerika, eindeutig klassifiziert wurde, verschwemmt heute immer mehr. Vielleicht ist der Begriff Rassismus dafür auch nicht unbedingt der Richtige, aber er drückt die Folgen aus, mit denen Menschen, die nicht der Norm entsprechen, tagtäglich konfrontiert werden. Sie erleben häufig das, was dem klassischen Rassismus entspricht.

 

In der folgenden Doku wurden ca. 40 Teilnehmer zu einem Workshop eingeladen. Sinn des Workshops war es, die Seiten einmal umzukehren und die typisch Diskriminierten in die Rolle der "Rassisten" zu versetzen und umgekehrt. Hierfür hat man zwei Gruppen gebildet: Die Blau-äugigen und die Braun-äugigen. Es fand also eine eindeutige Klassifizierung statt. Jeder kann sich gleich denken, wer sich diesmal in der Rolle der Diskriminierten fand. Richtig, die Blau-äugigen.

 

Schon zu Beginn, beim Eintragen in eine Liste, die zur Aufnahme am Workshop nötig war, hat man große Unterschiede gemacht. Die Braun-äugigen wurden freundlich und zuvorkommend behandelt, man hat mit ihnen gescherzt und ihnen geholfen sich richtig in die Liste einzutragen. Die Blau-äugigen hingegen hat man befehligt und dumm und herablassend behandelt. Schon hier haben sich das einige Blau-äugige nicht gefallen lassen und den Workshop erst gar nicht angetreten. Man muss dazu erwähnen, dass alle das Verhalten des Coaches mitbekamen. Die Braun-äugigen waren zwar verwundert, genossen aber offensichtlich die freundliche Behandlung. Kein einziger Braun-äugiger verließ bis dahin den Workshop. Erst später kapitulierte eine Braun-äugige, die aber, meiner Meinung nach, sowieso nicht in das Konzept passte.

 

Anschließend wurden beide Gruppen getrennt. Die Braun-äugigen wurden sorgfältig informiert, gebrieft und bewirtet und die Blau-äugigen hat man in einen Raum abgeschoben, wo sie nicht wussten, was weiter mit ihnen geschieht. Nach relativ kurzer Zeit reduzierte sich die Gruppe der Blau-äugigen, da sie solch eine Behandlung nicht gewohnt waren. Für die, die blieben, war es eine zermürbende Zeit. Keine Infos, keine Getränke, nicht ausreichend Sitzplätze und alle (das hab ich vergessen zu erwähnen) trugen einen Papierkragen um den Hals. Immer wieder kamen Mitarbeiter des Workshops in den Raum und starrten die Teilnehmer nur herablassend an, ohne ein Wort zu sagen oder auf irgendwelche Fragen zu antworten.

 

Ich will jetzt nicht ins Detail gehen und den ganzen Ablauf der Doku niederschreiben, schaut sie Euch dazu einfach an. Was ich aber noch bemerken will ist, dass am Ende des Workshops alle Blau-äugigen eine einzigartige Erfahrung mitnehmen durften. Und zwar deshalb, weil es nicht trockene Theorie war, sondern weil sie mit ihrem Körper und ihrer Psyche erlebt haben, wie es sich anfühlt diskriminiert zu werden. Mit dem einen Unterschied: Sie konnten ihre Kragen nach dem Workshop abnehmen und wurden wieder freundlich und gleichberechtigt behandelt. Die Braun-äugigen können ihre Merkmale nicht einfach abnehmen, sondern tragen sie tagtäglich mit sich herum. 

 

Sicher, wurde der Workshop überspitzt dargestellt. Nicht jeder Blau-äugige ist feindselig und nicht jeder Braun-äugige wird diskriminiert. Für mich hat sich jedoch gezeigt, dass alleine schon die Trennung einen Nährboden für Feindseligkeit bietet. Für uns sind Gruppierungen aller Art nicht gerade ein Zeichen guten Miteinanders. Egal ob braun-, blau-, grün- oder sonstwas-äugig. Für mich ist das eine Frage von Werten. Sobald wir anfangen, den Menschen als Mensch zu betrachten, ist es völlig egal was für eine Herkunft, Neigung oder Behinderung er hat.

 


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