Lukrativer Nebenjob als Medikamententester bald hinfällig?


Man mag gar nicht glauben, wie viele Menschen leichtsinnig mit ihrem Leben umgehen, nur um ein paar Euro nebenbei zu verdienen. Manchen kann man das nicht einmal verübeln. Gerade Studenten, Hartz-IV-Empfänger und sogar Rentner, benötigen zusätzliche Einnahmequellen, weil sie sonst schlicht weg nicht über die Runden kommen. Armes Deutschland!

 

Das Testen von Medikamenten für die Pharmaindustrie gilt bei uns als "Nebenjob". Als sei es das normalste auf der Welt, so ähnlich wie Zeitungaustragen. Nur das man dabei wesentlich mehr verdient.

 

Aber wie sieht so ein Medikamententest eigentlich aus? Da kommen zum Teil völlig gesunde Menschen in die Obhut von Ärzten, die nichts anderes machen, als untersuchen, auswerten, regulieren und kontrollieren. Alles steht dort unter Kontrolle. Es gibt eine lange Zeit der Abstinenz (ca. 3 Monate) jeglicher Dinge, wie Rauchen, Alkohol, Sex, Drogen, spezielle Ernährung uvm., bevor man sich in die Fänge der Forscher begeben darf. Völlig vorbei an der Realität. Medikamente werden später unter ganz anderen Voraussetzungen verordnet und eingenommen. Keine Individualisierung, weniger Untersuchungen und vor allem meist ohne ständige ärztliche Kontrolle. Teilweise werden auch Probanden eingesetzt, die genau an der Erkrankung leiden, für die getestet werden soll. Dabei ist die Bezahlung etwas schlechter, hier wird oft mit der Hoffnung auf Heilung bezahlt.

 

Geworben wird mit Anzeigen, auf einschlägigen Webseiten, auf Plakaten oder über Mundpropaganda. In einigen Kreisen nennt man es "Pharmastrich". Man kennt sich und gibt Insider-Tipps weiter. Viele haben schon Übung darin. Wer allerdings neu im Geschäft ist, der wird im Internet schnell fündig:

 

http://www.probanden-online.de

 

http://www.probandeninfo.de

 

http://www.probanden-studien.de

 

Und so weiter und so fort...

 

So weit so schlecht. Allerdings scheint das Geschäft mit den offenen, freiwilligen Probanden nicht mehr so gut zu laufen. Vielleicht sind es immer nur die Gleichen und die werden mit der Zeit auch immer unbrauchbarer. Oder die Menschen verlassen sich nicht mehr so blind auf die Pharmaindustrie und wenden sich von diesen Medikamenten langsam ab. Wer weiß? Auf jeden Fall wird jetzt von der EU-Kommission diskutiert (böses Wort im Zusammenhang mit der EU!), ob man nicht gleich Krankenhäuser in die Medikamenten-Studie miteinbeziehen sollte. Da sitzt man ja quasi an der Quelle. Die Untersuchungen laufen doch sowieso routinemäßig ab. Und wo kann man besser testen, als bei schon erkrankten Menschen? Ist doch viel realistischer.

 

Die EU-Kommission liebäugelt also mit der Einführung von Medikamenten-Studien in öffentliche Krankenhäuser. Aber das Beste daran ist, dass man solch einer Studie im Vorfeld explizit widersprechen muss! Wer keinen Widerspruch in der Tasche trägt, der kann, wenn er bewusstlos in die Klinik eingeliefert wird, schon unfreiwilliger Proband einer Medikamenten-Studie werden.

 

Die Vorteile für die Pharmagiganten liegen offen auf der Hand: Weniger Personal und Einrichtungen im Forschungsbereich, mehr Probanden, mit weniger Aufwand für die Auswahl (das übernimmt ja dann das Krankenhaus), offener Zugang zu Patientendaten (die ja benötigt werden, um Studien durchführen zu können) und last but not least, eine höhere Effizienz bei den Ergebnissen.

 

Einen sehr ausführlichen und interessanten Artikel könnt Ihr hier nachlesen:

 

Testperson für Medikamente wider Willen – Das könnte bald jedem passieren!


Na dann. Jetzt muss ich vielleicht bald, neben meinem Nicht-Organspender-Ausweis noch einen Nicht-Medikamenten-Probanden-Ausweis dazulegen. Mal schauen wie viele Widersprüche ich in den nächsten Jahren noch mit mir rumschleppen muss, damit man mich in Ruhe lässt.


Ach so, noch was:


Wenn in der Politik von prüfen oder diskutieren die Rede ist, ist das immer nur ein leises Herantasten an die Bevölkerung, ob und inwieweit man damit einverstanden ist bzw. wie viel Informationen darüber nach draußen sickern. Der Beschluss darüber liegt meistens schon auf der Hand.


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Kommentare: 1
  • #1

    MariaAnders (Donnerstag, 20 November 2014 14:32)

    Danke für den Link von René Gräber, Mara, ich leite das mal weiter.

    Schöne Restwoche.