Aus dem Gaza-Tagebuch des Jürgen Todenhöfer


Vielleicht liegt es daran, dass er kein Journalist, sondern Jurist und Autor ist, denn seine Bücher und seine Berichterstattungen sind völlig frei von fremdgesteuerter Meinung. Das ist es vielleicht was man braucht, um die Wahrheit über die Zustände in Kriegsgebieten verlauten zu lassen: Einen freien Geist, sehende Augen und ein großes Herz.

 

Unermüdlich begibt sich Jürgen Todenhöfer mitten in die Zentren der Zerstörung. Er dokumentiert die Lage vor Ort, ohne sie zu zensieren, zu beschönigen oder zu verschlimmern. Er lässt seine Aufnahmen für sich sprechen, ohne auch nur ein Wort hinzuzufügen. Das tut er später in seinen öffentlichen Tagebucheintragungen.

 

Der Ex-CDU-Politiker wandelte sich in den 80er Jahren um 180° und engagiert sich seither für Abrüstung und Frieden. Seit mehr als drei Jahrzehnten setzt er sich für diplomatische Lösungen ein. Die natürlich keine Früchte tragen, weil die Motive eines jeden Krieges im wirtschaftlichen und nicht im politischen Bereich liegen. Ein Kampf gegen Windmühlen. Da bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Öffentlichkeit darüber aufzuklären.

 

Häufig ist er Gast in Talksshows, wo ihm in aller Regel mehrheitlich Kriegsbefürworter gegenüber sitzen, die noch nicht einmal einen Fuß in die Gebiete gesetzt haben, von denen er spricht. Sie sitzen immer nur auf der "Good-Friend"-Seite, auf der Seite, die nicht so zerstört ist. Aus Angst vor Bomben oder aus Angst davor die Wahrheit mitansehen zu müssen. Womöglich ist beides der Fall.

 

Nach jeder Reise berichtet Jürgen Todenhöfer über seine Eindrücke. Immer dabei: Ein Kamerateam. Diese Videos setzt er dann auf YouTube und auf seine Facebook-Seite. Dort schreibt er auch sein Tagebuch. Ein Eintrag ging mir sehr ans Herz, da geht es um die Verteilung von Schulrucksäcken, die er über seine Stiftung "Sternenstaub" finanziert hat. 

 

Und unsere herzlosen Politiker zucken die Schulter, wenn es um die Frage geht Palästina endlich zu befreien, von diesem zionistischen Regime.

Unser Gaza-Tagebuch

von Jürgen Todenhöfer

 

Liebe Freunde, die Welt ist feige, wenn es um Gaza geht! Letzte Woche fuhr Johanna für unsere 'Stiftung Sternenstaub', nach Gaza. Fast alles ist noch wie bei Kriegsende. Die Not, das Leid, die ausgebombten Stadtviertel. Netanjahu lässt das zum Wiederaufbau erforderliche Baumaterial nicht rein. Noch immer ist auch der ägyptische Grenzübergang Rafah total zu. Der israelische Übergang Erez sowieso. "Lächle, du bist in Gaza- dem größten Gefängnis der Welt!" steht auf einem Schild vor einem kleinen Laden.

Johanna berichtet: "Wir fahren zu einer der Schulen, für die das 'Sharek Youth Forum' -mit Euren Spenden Schul-Rucksäcke gekauft hat. Es ist gerade Pause. Alle Kinder stürzen sich auf mich, wollen hallo sagen. Ich muss hundert kleine Hände schütteln. Alle strahlen. Die Kinder, die alles verloren haben, sind so stolz auf ihre neuen Taschen. Bisher wurden an 14 Schulen 1.860 Rucksäcke verteilt. Mit Schulheften, Blei-und Buntstiften, Radiergummis, Spitzern. Dass ein kleiner Rucksack soviel Freude schenken kann!! Die Kinder verabschieden mich jubelnd: Ein paar Menschen da draußen haben an sie gedacht! Sie sind nicht ganz vergessen in ihrem Ruinen-Gefängnis! Wow!

Wir fahren zu einer Schule, die jetzt als Notunterkunft genutzt wird. Hier sind 346 Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht. 58 Familien! Unvorstellbar! Sieben Familien teilen sich ein Klassenzimmer. Um wenigstens etwas Privatsphäre zu schaffen, wurden Seile durch den Raum gespannt und Tücher drüber gehängt. Fertig! Auch hier werde ich freudestrahlend begrüßt. 26.176 Menschen (4.195 Familien) leben in solchen Notunterkünften. Während des Krieges wurden auch sie bombardiert, Kinder dabei getötet. Andere Ausgebombte leben in den Ruinen ihrer Häuser. Wie Höhlenmenschen. Gespenstisch!

Überall wo ich in Palästina war - in Bethlehem, Ramallah oder Gaza - werden die Palästinenser als Menschen zweiter Klasse behandelt. Eingesperrt, überwacht, diskriminiert kämpfen sie um ihre Würde. Sie helfen sich gegenseitig, machen sich Mut. Nur nicht aufgeben! Mir hat das sehr imponiert. 'Man gewöhnt sich an vieles, aber nicht an alles', meint ein liebenswerter alter Mann. Sein Lächeln ist unendlich traurig."

Soweit das Tagebuch von Johanna, das mir Tränen in die Augen treibt. In der Zwischenzeit sitzen im grenznahen israelischen Badeort Ashkelon unzählige 'Internationale Beobachter' in eleganten Hotels. Sie lassen es sich gut gehen. Kosten der Beobachter-Truppe: Dutzende Mio Dollar. In Gaza wollten die Herrschaften nicht wohnen. Obwohl dann die Menschen dort wieder was verdient hätten. So boomt halt die Tourismusbranche in reichen Ashkelon.

Euch allen danke ich nochmals für Eure Spenden. Inzwischen sind weitere 11.855 dazu gekommen. So konnten wir für Gaza insgesamt 38.054 € überweisen. Die USA und die EU haben noch nichts überwiesen. Keinen Cent. Von Israel wird ohnehin nichts kommen.

Unsre 'Stiftung Sternenstaub'- das heißt deren Boss, meine Tochter Valerie - hat nach Johannas Reise beschlossen, Gaza zu einem Schwerpunkt unserer Aktivitäten zu machen. Wir werden nicht warten, bis die Welt ihre Hilfszusagen einhält und bis Israel irgendwann gnädig die Tore für ein paar Stunden öffnet. Helft mit, dass Gaza nicht wieder vergessen wird. Gaza darf nicht sterben. Nie!

Euer JT

Ich mache so gut wie nie oder eben nur in ganz besonderen Fällen einen Spendenaufruf, weil ich mir nie sicher bin, ob die Gelder ankommen. Aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme. Deshalb veröffentliche ich hier das Spendenkonto für Gaza:


Name des Sonderkontos: Wir sind die Welt
Kontonummer: 1000894475
Bankleitzahl: 70150000
Stadtsparkasse München

WICHTIG! Bei jeder Überweisung bitte unbedingt angeben:
Verwendungszweck-Sharek Youth Forum/Gaza.

Für Zahlungen aus dem Ausland:
IBAN: DE97 7015 0000 1000 8944 75
BIC:/SWIFT: SSKMDEMM
Stadtsparkasse München/Germany".

Für 'normale' Spenden unter 200 € reicht dem Finanzamt der Überweisungsbeleg oder ein Kontoauszug. Sollte jemand ausnahmsweise 200 € oder mehr spenden, gibt es eine Spendenquittung. Bei derartigen Spenden bitte Postadresse angeben. Aber auch mit 5 oder 10 Euro kann das Sharek Youth Forum viel Gutes tun.


Vielen Dank!!!


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